Mit ihrem Protestzug ins Ortszentrum wollten die Ärzte vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen Aufmerksamkeit für ihre Forderungen erzielen. Auch der strömende Regen brachte sie von ihrer Aktion nicht ab. Foto: Thomas sehr

Ärzte-Protest: "Jetzt wandern wir auch aus"

Garmisch-Partenkirchen - Rund 30 Assistenzärzte des Klinikums Garmisch-Partenkirchen beteiligten sich an der bundesweiten Streikaktion des Marburger Bundes.

„Natürlich liebe ich meinen Beruf. Aber muss ich deshalb zum Märtyrer werden?“ Die junge Assistenzärztin diskutiert mit einem Kollegen, der im Klinikum seine Frau besucht, die gerade stationär eingeliefert worden ist. Dreißig Jahre hat er im Taunus als Landarzt praktiziert, quasi rund um die Uhr. Immer stand das Wohl der Patienten im Vordergrund. Das hat die Ehe beinahe ruiniert, auch die eigene Gesundheit angegriffen. Dass man wegen mehr Geld als Arzt auf der Straße demonstriert, passt nicht in sein Weltbild.

Dem Geschäftsführer des Klinikums, Wolfgang Türk, fehlt für den Streik ebenfalls das Verständnis: „Den Ärzten geht es nach deren Aussagen ausschließlich um höhere Vergütungen. Man kann jedoch nicht die aktuell schwierige Situation der kommunalen Krankenhäuser und das problematische gesamtwirtschaftliche Umfeld ausblenden und Gewerkschaftspolitik ohne Maß und Ziel betreiben“, sagt Türk.

Er verweist darauf, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) vor über zwei Monaten einen unterschriftsreifen Vorschlag für einen Tarifabschluss vorgelegt habe. Demnach würden die Ärztegehälter über eine Laufzeit von 33 Monaten um 2,9 Prozent steigen. Zusätzlich sollen die Entgelte für den Bereitschaftsdienst um 16 bis 24 Prozent erhöht werden. Der Marburger Bund besteht weiterhin auf seiner Maximalforderung: fünf Prozent Gehaltssteigerung plus vier Prozent für weitere Regelungen.

„Nein, polarisieren wollen wir nicht und auch nicht polemisieren. Wir wünschen uns Aufmerksamkeit für unser Thema“, sagt Carsten Steuerwald als Teil des Streik-Komitees. Der Tonfall der rund 30 Assistenzärzte, die sich in Kälte und Nässe auf den Weg vom Klinikum ins Zentrum gemacht haben, ist durchwegs sachlich. „Natürlich ist die Patientenversorgung während unseres Streiks gesichert“, erklärt Steuerwald.

Viele seiner Studienkollegen sind bereits ins Ausland gegangen. Schweiz, Norwegen, Holland, Australien stehen hoch im Kurs, denn dort sind die Rahmenbedingungen deutlich besser. Deswegen haben die Demonstranten das Motto „Jetzt wandern wir auch aus“ als eine Art symbolische Auswanderung ins europäische Ausland gewählt. „5000 Stellen in Kliniken sind bundesweit nicht besetzt", behauptet Steuerwald, "keine Spur mehr von der Ärzteschwemme der 80er-Jahre.“Verhandlungstisch zurückkehren. „Wir brauchen viel Geld, um die bauliche Sanierung des Klinikums weiter voranzubringen, und können schon deshalb überzogene Forderungen der Ärzte nicht befriedigen“, argumentiert der Klinik-Geschäftsführer.

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