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Alpenhotel Ammerwald wiedereröffnet: BMW investiert 15 Millionen Euro

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Reutte - Ob seiner futuristisch-innovativen Architektur nicht unumstritten in der Region, ist jetzt das Hotel Ammerwald zwischen Schloss Linderhof und dem Plansee bei Reutte wiedereröffnet worden.

„Zuerst war das neue Hotel Ammerwald schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig“, gibt der Gesamtbetriebsrat der BMW-Group, Manfred Schoch, zu: „Mittlerweile glaube ich aber, dass es mit seinem innovativen Baukörper gut in die Reihe unserer Immobilien passt.“ Und der Einkaufsvorstand des Konzerns, Herbert Diess, ergänzt: „Wir entwickeln zukunftsweisende Autos, also bauen wir auch zukunftsweisende Häuser. Wir wollten ganz bewusst keinen ‚Tiroler Barock’.“

Als „guten Tag für BMW“ bezeichnete Diess nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit die Hoteleröffnung: „Wir haben immer an Ammerwald festgehalten, auch oder gerade in den momentanen Krisenzeiten. Im Mittelpunkt der Konzerninteressen steht das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter. Darum haben wir nicht gezögert, 15 Millionen Euro in das Ferienhotel zu investieren.“

Lang ist die Geschichte des Hotels. Das ursprüngliche Haus dazu war bereits Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden. 1942 kam das Anwesen dann in den Besitz der BMW-Group, als sogenanntes „Gefolgsschaftshaus“ zur Erholung von Mitarbeitern, mit Platz für 125 Gäste. Am Ende des Ersten Weltkriegs, 1944 und 1945, war das Gebäude zu einem „KZ-Außenlager“ umfunktioniert worden. So waren hier Angehörige der Hitler-Attentäter um Graf Stauffenberg inhaftiert.

Betriebsrat Manfred Schoch: „1961 ist es gelungen, der Konzernleitung einen Meilenstein in der Mitarbeiterbetreuung abzutrotzen. Seit dieser Zeit durfte jeder, der 20 Jahre bei uns beschäftigt ist, eine Woche kostenlos im Hotel Ammerwald Urlaub machen. Diese Regelung gilt auch in dem neuen Haus weiter.“ Herbert Diess erinnerte an das Pfingsthochwasser von 1999: „Damals war das Hotel von der Außenwelt abgeschnitten, konnte nur per Hubschrauber versorgt werden. Man musste zusammenrücken, die Gäste halfen beim Bettenmachen und in der Küche.“ Erfindungsreich ist das 40-köpfige Mitarbeiter-Team im Ammerwald schon immer gewesen; Diess: „Einmal glaubte man, mit einer eigenen Wildschweinzucht die Selbstversorgung des Hauses zu verbessern. Um das zu finanzieren, wurden ‚Wildschwein-Aktien‘ ausgegeben.“ Dann stellte die Rechtsabteilung fest, dass solche Aktien gegen das Börsengesetz verstoßen . . .

Für die Pläne des „neuen Ammerwald“ zeichnet Leo Kaufmann verantwortlich: „Mit moderner Architektur wollten wir den ‚alten Geist‘ von Ammerwald mit zeitgemäßen Ideen in Einklang bringen. Vom Grundstein bis zum Dach wurde das sechsgeschossige Gebäude nach ökologischen Gesichtspunkten entworfen.“ Kaufmann betont den hochwassersicheren Sockelbau, der 40 Prozent weniger Naturfläche versiegele als der 2008 abgerissene Altbau. Vom zweiten Stock an ist das gesamte Haus in Holz gebaut: „Alle 93 Zimmer wurden aus Massivholz-Modulen gefertigt. Die deckenhohen Fenster holen die Sonne und die Berglandschaft in jeden einzelnen Raum: seien es die Zimmer, das Hallenbad, die Saunen oder Fitnessräume.“ Vom wirtschaftlichen Erfolg ist Herbert Diess jedenfalls überzeugt: „Im alten Hotel hatten wir jährlich 20 000 Gäste; diese Quote peilen wir wieder an.“

(gb)

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