Auerochsen-Attacke: Wörth-Pächter muss 1500 Euro Geldauflage zahlen

Seehausen - Nach dem Angriff eines Auerochsen auf der Insel Wörth, bei dem eine Frau verletzt wurde, ist das Verfahren gegen den Insel-Pächter eingestellt worden.

15 dieser Ur-Rindviecher leben ganz friedlich auf der Staffelsee-Insel Wörth, doch am 25. August des vergangenen Jahres passierte es: Eine Frau, die auf der Insel beim Baden war, näherte sich der Herde, prompt lief eine Kuh auf sie zu und verletzte sie schwer. Die Folge: vier Wochen Unfallklinik. Der Inselpächter, ein Münchner Architekt, stand nun wegen Körperverletzung vor Gericht, doch Richter Dieter Klarmann stellte das Verfahren gegen Zahlung von 1500 Euro ein.

"Auerochsen können gefährlich sein", sagte Staatsanwältin Julia Ludwig in der Anklage, "insbesondere, wenn sie von einer Bedrohung ihrer Kälber ausgehen". Deshalb seien ja auch auf der Insel, die der Münchner vom Freistaat Bayern gepachtet hat, an vielen Stellen Hinweistafeln mit Verhaltensregeln angebracht. Obendrein sei dem 41-jährigen Architekten, der selbst Gründungsmitglied des Auerochsen-Züchterverbands ist, auferlegt worden, stets eine vollständige Einzäunung der Weideflächen zu gewährleisten. Doch dort, wo die Frau von der Kuh verletzt worden sei, im nordwestlichen Teil der 39 Hektar großen Insel, habe die Einzäunung gefehlt.

Dort aber befindet sich auch eine Wiese, die seit langem durch Badegäste benützt wird.

Durch den Angriff erlitt die Ettalerin Brüche des zwölften Brustwirbelkörpers sowie des Mittelfußknochens und andere Verletzungen, war vier Wochen in der Unfallklinik, verlor ihren Arbeitsplatz und hat noch heute noch Probleme beim Sitzen, Heben und Bücken, sagte sie vor Gericht.

Der "Ur"-Halter, der die seltenen Tiere erst 2005 dort angesiedelt hatte, nachdem der vorherige Landwirt aufgehört hatte, bekam aufgrund des Unfalls bereits im April 2008 einen Strafbefehl über 2400 Euro, erhob aber dagegen Einspruch, weshalb er jetzt mit dem Münchner Anwalt Wilfried Eysell vor Amtsrichter Klarmann saß. Ein Unfall dieser Art könne leider immer wieder passieren, allerdings nur dann, wenn jemand die zahlreichen Hinweistafeln nicht beachte und sich der Herde mehr als zehn Meter nähere, um etwa die Kälber näher zu betrachten, so der Verteidiger. Dann nämlich werde der Beschützerinstinkt der Kuh geweckt, sie betrachte den Menschen als Gefahr für ihr Kalb und gehe auf ihn los. Im übrigen seien, seit die Tiere dort sind, die öffentliche Anlegestelle sowie der Weg zur Inselkapelle durch einen von einer Spezialfirma errichteten Zaun vor den Tieren abgesichert.

"Ein Schlupfloch blieb jedoch übrig", meinte Richter Klarmann und erkundigte sich bei der Geschädigten danach, ob die finanziellen Angelegenheiten in Zusammenfall mit dem Unfall geregelt wurden. Nachdem sie dies bejahte, stellte der Richter das Verfahren ein, belegte den Tierhalter allerdings mit einer Geldauflage von 1500 Euro.

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