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Debattierclub der deutschen Basketball-Experten: die Vodka-Lounge mit (v.l.) Len Werle, Stephan Adelberger und Andreas Mayr. 

Die Kolumne von den NBA-Finals

Ball(er)Männer IV: Allein unter Designeranzügen

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Die Weggefährten: weg. Der Schlaf: zu wenig. Das Essen: ungesund. Für unsere Mitarbeiter hat im Endspurt der NBA-Finals der Überlebenskampf begonnen.   

Zwei Bayern alleine in Nordamerika: Die beiden Merkur-Mitarbeiter Stephan Adelberger und Andreas Mayr berichten drei Wochen von den Endspielen der besten Basketballliga - und ihren Abenteuern. Hier der vierte Teil ihrer Kolumne aus Toronto und San Francisco:

Es gibt traurige Nachrichten. Wir sind alleine. Also nicht wirklich allein, allein. Wir fühlen uns beim Slalom durch die Designeranzüge in den Riesenhallen noch immer wie der Felix in Kitzbühel. Beobachtet von Tausenden. Nur, dass die Sturzgefahr hier deutlich geringer und die Dichte an Weltstars (Beyoncé, Drake, Wayne Gretzky, Thierry Henry, kennt ihr hoffentlich alle) noch größer ist. Aber der Kontakt zur Heimat ist abgebrochen. Wir sind nun ganz offiziell die letzten Deutschen bei den NBA-Finals 2019. Die „Last Men Standing“. Wie traurig.

Projekt für 2020: die German Wunderkinder

Zuletzt haben uns Len - der Stuttgarter Viel-Shopper - sowie Sebastian und Björn, die für die NBA Spiele auf Deutsch kommentieren, verlassen. Die Vodka-Lounge war unser Debattierclub. Kein Witz, das Ding heißt wirklich so. Nur Vodka schenken sie dort nicht aus. Zumindest nicht an Journalisten. Hoch droben über dem Meer an gelben Shirts heckten wir aus, wie wir im nächsten Jahr die Medien-Meute, die hier zu 60 Prozent aus Amerikanern besteht, aufmischen. Chris Haynes, einer der seine Ohren überall hat, veranstaltete ein Presse-Turnier in San Francisco. NBA-Finals für den schreibenden Pöbel. Mit Pokal! Und Trikots! Und Live-Stream im Internet! Blöd nur, dass Andi sein Twitter-Postfach noch seltener als den Briefkasten daheim in Uffing checkt. Die German Wunderkinder fuhren zum Strand. Beach statt Basketball. Fühlt sich auch gut an, war aber falsch. Sebastian und Björn versuchten es alleine. Björn beeindruckte immerhin Quinn Cook, einen Basketballer der Golden State Warriors, mit seinem Move. Wir hätten Geld darauf gesetzt, dass Cook die Aktion im Finale imitiert und hinterher eine Ode an den Björn anstimmt. Cook warf am nächsten Tag aber alle fünf Würfe vorbei. Gewonnen haben unsere Wegbegleiter auch nichts. Im nächsten Jahr, wir garantieren es euch, geht der Pott nach Deutschland. Wir präsentieren schon die Aufstellung der Dunking Deutschmen. Aufbau: Len, Dreierschütze, der nach eigenem Bekunden besser als Steph Curry trifft und den Rekord für meiste Fouls in einer Minute brechen wird. Flügelzange: Sebastian und Björn, jahrelange Erfahrung im Hobbybasketball, kalte Killer wie Kawhi. Center: Stephan, der Mini-Gasol, und Andi, der größte Schauspieler, der nie einen Oscar erhalten hat. Nimm dich in Acht, Chris Haynes!

Der Überraschungsgast 

Schön, aber laut: das Hotel in Toronto.

Finals ohne die anderen machen weniger Spaß. Keiner, der über unsere Witze lacht. Keiner, der uns durch San Francisco leitet. Keiner, der uns zu den größten Gourmet-Tempeln führt. Unsere Verzweiflung hat uns in Toronto zum Kauf von Chips und Proteinriegeln getrieben, die teurer waren als die Unterkunft. Wahnsinns-Deal, dachten wir. Natürlich hat im Portfolio keiner die Vergnügungsmeile erwähnt, die neben dem Hotel entlang führt. Blöderweise vergaß man auch, die Urlauber auf den Cannabis-Umschlagplatz vor der Haustüre hinzuweisen. Selbst dem Kollegen Howard Beck, der weit weg im doch etwas besser ausgestatteten Medien-Hotel logiert, ist aufgefallen: „Das waren die weed-iest Finals, die ich begleitet habe.“ In Kanada wie Kalifornien ist der Cannabis-Konsum erlaubt. Beim Stopp in Oakland grüßte in Stadionnähe regelmäßig ein Billboard, das für den internationalen Cannabis-Day wirbt. Den Geruch erschnupperte selbst ein ungeschultes Näschen, wie es Andi hat. Stephan quälte eher der Lärm, der ihm den Schlaf raubte. Irgendwer muss um 3 Uhr nachts die Mülltonnen gelehrt haben. Hat Stephans erstklassige Hör-Maschinerie decodiert. Doch noch müssen unsere Betten in der Heimat warten. Es geht zurück nach San Francisco. Ein letztes Mal. Und dort - in der nächsten Absteige, die diesmal als speziellen Service Zimmer mit 30 Grad Raumtemperatur anbietet - erreicht uns eine unerwartete Text-Nachricht. Wir bekommen Unterstützung für Spiel sechs. Per Günther, der deutsche Basketball-Nationalspieler, fliegt ein. Wenn das mal keine schöne Überraschung ist.

Lesen Sie auch: 

Teil 1: Die Rückkehr der Amerika-Abenteurer

Teil 2: Wie ein NBA-Star uns lieben lernte

Teil 3: Abschiedsbrief an die goldene Hölle

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