Stein des Anstoßes: Am Pfarrhof wurden zwei große Bäume gefällt. Foto: lory

Baumfällaktion empört Bürger

Seehausen - Die Fällung von zwei großen Bäumen am Seehauser Pfarrhof ruft scharfe Kritik hervor. Die Kirchenverwaltung begründet den Schritt mit der Sicherheit der Kinder.

Für die Seehauser Kirchenverwaltung St. Michael beginnt das neue Jahr mit Ärger. Denn Bürger regen sich darüber auf, dass die beiden gesunden, rund 80 Zentimeter dicken Stämme (eine Linde, eine Eiche) gefällt wurden. „Es geht darum, die Leute zu sensibilisieren. Nicht dass es so weiter geht und ein alter Baum nach dem anderen umgehackt wird“, betont eine Seehauserin, die nicht mit dem Namen in der Zeitung stehen will. Ihr ganzer Bekanntenkreis sei entsetzt.

Doch die Kirchenverwaltung hatte ihre Gründe für die Fällaktion. Pfarrer Robert Walter verweist auf die Gefahr für Kinder, die herauslaufen. Die Bäume stellten ein Sichthindernis für Autofahrer dar. „Die haben kaum Zeit zu reagieren“, sagt Walter. Erst vor etwa einem dreiviertel Jahr sei ein Kind angefahren worden. Diesem sei zwar nichts passiert, aber das Fahrrad sei beschädigt worden. „Da müssen die Eltern den Kindern sagen, dass man nicht einfach so aus einer Einfahrt herausfährt“, hält die Kritikerin entgegen. Man hätte ihrer Meinung nach ein Schild „Vorsicht Kinder!“ anbringen können.

„Mein Herz schlägt eher für Menschen als für den Baum“, sagt Walter. Basis für die Aktion sei ein einstimmiger Beschluss der Kirchenverwaltung gewesen. Zuvor habe ihr die Gemeinde ans Herz gelegt, „etwas zu machen“. Denn an einer Stelle hatten Wurzeln den Asphalt aufgeworfen. Walter ist sich sicher: „Diejenigen, die Kinder haben, sind froh, dass die Situation entschärft wurde.“ Auch die Untere Naturschutzbehörde habe gesagt, dass nichts gegen das Fällen spreche. Das Vorhaben sei zuvor im Gottesdienst angekündigt worden. Es sei danach niemand mit Einwänden gekommen, so Walter. Die erwähnte Kritikerin entgegnet, dass nicht jeder in die Kirche gehe. Die Fällung kann sie jedenfalls nicht nachvollziehen: „Man muss in der Seestraße ohnehin langsam fahren.“ Dort gilt Tempo 30. Walter sagt: „Die Seehauser wissen um die Gefährlichkeit dieser Stelle, aber viele Feriengäste halten die Geschwindigkeit nicht ein.“ Man habe im Pfarrhof viele Veranstaltungen mit Kindern, die dann auch am Vorplatz spielen und dabei manchmal auf die Straße geraten. Ein Problem sei zudem, „dass wir auf dieser Seite keinen Gehweg haben“.

Nach Angaben von Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) sei die Entscheidung für die Fällung im Sinne des Gemeinderats. Denn auch beim zweiten Baum sei zu erwarten gewesen, dass Wurzeln irgendwann den Asphalt aufwerfen. Nicht nur die erwähnte Bürgerin äußert Kritik. Die Bäume seien „aus fadenscheinigen Gründen“ entfernt worden, moniert eine weitere Bewohnerin der Staffelsee-Gemeinde. Das „Absägen“ alter Gewächse sei eine „Unsitte“. „Wenn die Kirche auch noch damit anfängt, ist das schlimm.“ Sie ist überzeugt: „Die Kinder fahren und sausen mit und ohne Baum raus.“

Nach Aussage von Dr. Rudolf Nützel, der in Seehausen ansässiger Vorsitzender der Ortsgruppe Bund Naturschutz Murnau und Umgebung, entfalten Bäume bei Autofahrern eine gewisse Bremswirkung. Von der Aktion selber habe er nichts mitbekommen. Vor ein paar Jahren hatte bereits die Fällung einer alten Eiche auf der Insel Buchau massive Kritik hervorgerufen.

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