Der gelernte Holzschnitzer Anton Zwink greift heute nur noch selten zum Werkzeug. F: sis

Beim siebten Mal keine Probleme mit Lampenfieber

Oberammergau - Bei der Passion spielt Anton Zwink Simon von Bethanien. Seinen ersten Auftritt hatte der 72-Jährige bereits 1970. Insofern sieht er dem Gelübdespiel gelassen entgegen.

Er ist einer der dienstältesten Hauptdarsteller der Oberammergauer Passion: Anton Zwink. Heuer wirkt der 72-Jährige bereits zum neunten Mal bei dem Gelübdespiel mit – als Simon von Bethanien.

„Als ich erfuhr, dass ich Simon spielen werde, verspürte ich eine große Freude“, erzählt der Tona. „Das war meine absolute Wunschrolle.“ Schließlich seien er und Simon – der so genannte Hauswirt von Lazarus und Magdalena, in dessen Haus Jesus Abschied von seinen Freunden nimmt – ungefähr im gleichen Alter. Außerdem gefällt Zwink, wie Regisseur Christian Stückl die Rolle angelegt hat. „Früher war Simon von Bethanien nur ein Freund von Jesus, jetzt ist er zum Beispiel Mitglied des Hohen Rates.“

Seinem Auftritt vor tausenden von Zuschauern sieht der Senior gelassen entgegen. „Nachdem ich schon so oft bei der Passion dabei war, sehe ich das ganz locker.“ Was aber nicht heißt, dass der gelernte Holzschnitzer die Passion nicht ernst nehmen würde. „Sie ist immer in meinem Kopf.“ Und so drehen sich die Gespräche mit seinem Spezl Karl Führler, mit dem er sich die Rolle teilt, auch meistens um das Gelübdespiel. Das Einprägen des Textes fällt dem 72-Jährigen nicht schwer. „Das Lernen ist nicht schlimm, sondern der richtige Einsatz.“

Zwinks zweite große Leidenschaft neben der Passion gehört der Musik. 40 Jahre lang spielte er bei der Musikkapelle Oberammergau Posaune, bevor er vor sechs Jahren aus Altersgründen aufhörte. „Bei kleineren Sachen bin ich aber immer noch dabei.“ Kein Wunder also, dass der Rest der Familie Zwink eher im musikalischen Bereich bei der Passion mitwirkt. Sein Neffe Markus dirigiert beispielsweise den Chor, sein Bruder Friedrich spielt im Orchester.

Nur Zwinks Frau Adriane, mit der er seit 1973 verheiratet ist, wirkt nicht bei der Passion mit. Abgesehen davon, dass sie keine gebürtige Oberammergauerin ist, hätte sie auch gar keine Zeit: Sie führt das Gästehaus, das ihr Mann in den 1970ern von seiner Mutter übernommen hatte. Zur Passion ist die kleine Pension, die 14 Gästen Platz bietet, stets voll belegt. „Viele Urlauber haben mich schon nach einer Unterschrift gefragt“, verrät der Tona. „Das war mir immer sehr peinlich.“

Wenn er nicht das Frühstück für seine Gäste vorbereitet oder die Einkäufe erledigt, fährt Zwink im Sommer mit seinem Mountainbike. „An die 30 Kilometer pro Tag schaffe ich“, sagt der achtfache Opa stolz. Das sind die einzigen Momente, in denen ihn sein buschiger Bart und die längeren Haare ein wenig stören. „Aber“, sagt Zwink und lacht, „ auf meinem Kopf wächst eh nicht mehr so viel.“ (sis)

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