Benediktinerkloster verschenkt Milch

Ettal - Auf einer breiten Ebene der Solidarität läuft im Ammertal der Milchlieferstopp heimischer landwirtschaftlicher Betriebe. Nur ganz vereinzelt liefern Milchbauern weiter ab.

Auch der landwirtschaftliche Betrieb im Kloster Ettal produziert trotz des derzeitigen Streiks nach wie vor und beliefert derzeit fast allein die Schaukäserei Ammergauer Alpen, die momentan rund 1000 Liter Milch täglich verarbeitet. Dieser Umstand, der bezahlte Preis von 40 Cent und mehr je Liter sowie der fehlende Informations- und Entscheidungsfluss von Seiten der Führung der Schaukäserei führte zuletzt zu beträchtlichen Irritationen und auch Unmut unter den Genossen. In diesen Streik-Zeiten müsse man doch zusammenhalten und gemeinsam das weitere Vorgehen erörtern, heißt es aus ihren Kreisen. Die Mitglieder klagen über eine zu geringe Mitsprache und fehlende Dialogbereitschaft.

Pater Johannes Bauer, Cellerar des Klosters Ettal und zugleich Dritter Vorstand der Schaukäserei, räumt durchaus "Meinungsverschiedenheiten mit den Genossen" ein, verteidigt aber den eingeschlagenen Weg, den Betrieb der Käserei während des Milchliefer-Boykotts weiterhin aufrecht zu erhalten: "Eine vorübergehende Schließung wäre absolut kontraproduktiv zu den Interessen der Bauern im Ammertal. Was würden denn unsere Kunden sagen, wenn wir nicht mehr liefern würden? Eine Bestreikung der Käserei könnte schwerwiegende Folgen nach sich ziehen", macht Pater Johannes deutlich.

Dafür traten gestern nun die Ettaler Benediktiner mit einer spektakulären Akton auf den Plan: In Absprache und mit Zustimmung von Seiten des Konvents wird das Kloster, so Pater Johannes, ab sofort die gesamte Milch der Schaukäserei kostenlos überlassen. Ein Teil davon wird zudem für die Dauer des Streiks sozialen Einrichtungen im Kreis geschenkt -­ insgesamt 1500 Liter. Das wichtige Grundnahrungsmittel ­ - abgefüllt in Tetra-Packs -­ kommt im Einzelnen dem Klinikum sowie der Kinder-Rheumaklinik Garmisch-Partenkirchen, der "Tafel" in der Marktgemeinde sowie dem Marie-Mattfeld-Haus in Oberammergau zu Gute.

Die Milch wegschütten -­ für dieses Handeln der Bauern hat Pater Johannes zwar Verständnis ("Das zeigt die Verzweiflung"), das Kloster werde und könne sich dem aber nicht anschließen: "Allein schon aus religiösen Gründen nicht." Mit der kostenlosen Abgabe der Milch unterstützen Kloster und Schaukäserei in der Region Kranke, Kinder und Bedürftige. Auch stünden, so der Cellerar, die Benediktiner "auf der Seite der Bauern". Man wisse, dass es für sie eine schwere Entscheidung sei, ihre Milch lieber zu vernichten als weiterhin zu Dumpingpreisen an die Molkereien zu liefern.

Auch Kreisbauern-Obmann Nikolaus Onnich aus Bad Kohlgrub ist teilweise dazu gezwungen, selbst wenn er einen Teil innerbetrieblich weiterverwertet. Beim Wegschütten beschleicht Onnich jedes Mal "ein saublödes Gefühl", aber man müsse den Milchlieferstopp solange durchhalten ("Das kann schon noch ein, zwei Wochen dauern"), bis die Bauern ihr Recht auf einen fairen Milchpreis von den Molkereien zugestanden bekämen: "In der jetzigen Phase den Streik abzubrechen, ohne ein gutes Ergebnis erreicht zu haben, das wäre das Falscheste, was wir tun könnten", so Onnich.

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