Bereits Zwölfjährige kiffen

Murnau - Die Drogen-Sachbearbeiter der Murnauer Polizei sind beunruhigt: Die Haschisch-Konsumenten im nördlichen Landkreis werden immer jünger.

Eine klassische Drogenszene wie in Großstädten gebe es im Murnauer Raum zwar nicht, betonen die beiden Beamten Klaus Neuner und Hans Jägg, die bei der Polizeiinspektion Murnau in der Abteilung "Rauschgift" arbeiten. Aber nichtsdestotrotz würden auf Festen, Privatpartys und bei Treffs an öffentlichen Plätzen vorwiegend so genannte "weiche Drogen" konsumiert. Am beliebtesten: Haschisch (Cannabis). Die Murnauer Polizei registriere jährlich im nördlichen Landkreis um die 70 bis 100 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, erklärt Neuner. In etwa 85 Prozent davon gehe es um Haschisch.

Ein erschreckender Trend: Schon Teenager greifen zum Joint. Beispielsweise hatte ein 15-jähriges Mädchen bereits zwei Jahre lang regelmäßig gekifft, als sie Probleme mit der Polizei bekam, schildert Jägg einen Fall. Häufig sei ein "Schuss vor den Bug" gar nicht falsch, so der Beamte weiter. Damit hätte man schon oft verhindert, dass die Jugendlichen auf die schiefe Bahn geraten und eine "Drogenkarriere" starten.

Haschisch dürfe nicht unterschätzt werden, der Konsum sei kein "Kavaliersdelikt", betonen Neuner und Jägg. Wer auch nur kleine Mengen davon erwirbt oder an andere abgibt, mache sich strafbar. Dann könnten empfindliche Strafen bis hin zu Jugendarrest drohen. Wer mit dem Rauschgift erwischt wird, könne mitunter sein Leben verbauen. Hinzu kämen die gesundheitlichen Schäden. "Kiffen macht blöd", sagt Neuner. Des Weiteren kämen gerade bei Dauerkonsumenten häufig Abhängigkeit, Verwahrlosung, schlechte schulische Leistungen und Beschaffungskriminalität hinzu.

Ein professionelles Händlernetz für Cannabis-Produkte gibt es hier auf dem Land vermutlich nicht. Das illegale Geschäft läuft eher im kleinen Rahmen ­ mit geringen Gewinnspannen. In der Regel wird die Droge im Ausland, beispielsweise in Holland, besorgt und dann immer weiter verteilt. "Ameisen-Handel" nennen das die Polizisten.

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