Die Zurückhaltung in Person: Miriam Gössner will versuchen, sich für die Junioren-WM zu qualifizieren. foto: weitz

Biathletin Miriam Gössner: Die Zier der Bescheidenheit

Garmisch-Partenkirchen - Sie weiß sich ausnehmend gut zu benehmen, ist immer freundlich und lacht viel. Miriam Gössner ist 18, mit einem gewinnenden Wesen ausgestattet - eben das nette Mädchen von nebenan.

Und sie ist ein Talent, vermutlich eines der größten im Damen-Biathlon. Und wenn Bescheidenheit eine Zier ist, dann schmückt sie sich mit ihr. Obwohl sie im Februar mit der deutschen Staffel bei der Junioren-Weltemsietrschaft in Ruhpolding Gold gewonnen hatte, weiß sie, wo sie steht. In der Hierarchie der besten deutschen Biathletinnen sieht sich Gössner, die dem C-Kader angehört, irgendwo hinten angesiedelt, an einen Einsatz im Weltcup verschwendet sie (noch) keinen Gedanken. „Die Leistungsdichte ist so hoch, da kommt man derzeit nicht rein.“

In Zukunft womöglich schon, denn die Zeit arbeitet für die 18-Jährige. Kathi Wilhelm und Andrea Henkel haben die 30 überschritten, von Martina Beck weiß man, dass sie wahrscheinlich nach den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver die Langlaufskier und das Gewehr in die Ecke stellt. „Ich habe eigentlich noch fast gar nichts erreicht“, sagt Gössner. „Und das, was ich erreicht habe, muss ich erst in diesem Winter bestätigen.“ Dafür hat sie gearbeitet, hart gearbeitet – vor allem an ihrer Schwäche, dem Schießen. Seit sie Kontaktlinsen trägt, sieht sie „schärfer und das neue Gewehr hilft mir ebenfalls“. Bei Sandro Brieslinger, der auch die Schäfte von Martina Beck und Magdalena Neuner individuell anfertigte. Drei Tage hielt sich Gössner in Oberhof auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, weil Brieslinger ein absoluter Experte ist. „Im Vergleich zu meiner alten Waffe ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, stellt sie klar.

Die Wahrheit findet freilich am Schießstand statt. Der Premieren-Wettkampf steht am Wochenende beim Austria-Cup in Obertilliach an, ein erstes Qualifikationsrennen für die Junioren-Weltmeisterschaften 2009. Was sie in dieser Saison erreichen will, steht für sie auch schon fest. Es sind bescheidene Ziele. „Ich will beim Schießen besser werden und beim Laufen dranbleiben. Ich möchte mich einfach weiterentwickeln.“

In der Vorbereitung hat siezuammen mit Bernhard Kröll, der sie seit drei Jahren trainiert, alles dafür getan. Die Grundlagen-Ausdauer legte sie im Sommer mit der Gruppe der Werdenfelser Biathlethen, zu denen manchmal auch Neuner und Beck stießen. An denen hat sie sich allerdings nur selten orientiert. Zumeist war sie mit den Junior Hannes Schandl unterwegs, „der in meinem Alter ist“. Den Feinschliff besorgte Bundestrainer Peter Sendel beim Lehrgang in Sjusjoen (Norwegen). In ihrer zweiten Heimat – Gössner besitzt auch die norwegische Staatsbürgerschaft – zeigte sie, dass mit ihr zu rechnen sein wird. Sie gewann einen internen Wettkampf und freute sich, dass Schießen und Laufen „ganz okay waren“. Neben ihren sportlichen Fähigkeiten demonstrierten die jungen Frauen auch noch Qualitäten am Herd. Sie mussten sich selbst versorgen. „Wir haben gemeinsam gekocht, das hat Riesenspaß gemacht“, versichert Gössner. Einmal waren sogar die Junioren zum Lasagne-Essen eingeladen. Deren Urteil? „Ihnen hat’s geschmeckt“, versichert sie. Na dann muss jetzt nur noch der Start in die Saison gelingen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rechtzeitig digital nachrüsten: Vodafone schaltet analoges Kabelfernsehen ab
Wer künftig weiter über Kabel fernsehen möchte, sollte diesen Termin nicht verschlafen. Am 22. November stellt Vodafone um. 
Rechtzeitig digital nachrüsten: Vodafone schaltet analoges Kabelfernsehen ab
Drei Babys in vier Monaten: Großweiler Schwestern sorgen für Frauenpower in der Familie
Das gibt‘s selten: Drei schwangere Schwestern entbinden innerhalb von vier Monaten. Ohne es geplant zu haben. 
Drei Babys in vier Monaten: Großweiler Schwestern sorgen für Frauenpower in der Familie
Gift für Bauherren: Scharfe Kritik an Regeln für Bodenaushub
In Garmisch-Partenkirchen ist’s Arsen, in Grafenaschau Kupfer, in Ohlstadt Chrom und in Oberau Thallium: Schadstoffe schlummern in der Erde. Inzwischen muss aber auch …
Gift für Bauherren: Scharfe Kritik an Regeln für Bodenaushub
Die Landesausstellung ist vorbei - doch nicht alles verschwindet
Allerhand war geboten in den vergangenen sechs Monaten. Jetzt ist die Landesausstellung zu Ende. Der Abbau läuft. Eine Bilanz.
Die Landesausstellung ist vorbei - doch nicht alles verschwindet

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion