Eine Pfefferer-Arbeit: Gabriele Münter in Bronze. Die Büste steht im Murnauer Schloßmuseum.
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Eine Pfefferer-Arbeit: Gabriele Münter in Bronze. Die Büste steht im Murnauer Schloßmuseum.

Ein Bildhauer prägt das Oberland: Rudolf Pfefferer wäre heute 100 Jahre alt geworden

Murnau - Die Plastik der Murnauer Hauptschule ist von ihm. Und das Gefallenenmal am Seehauser Friedhof. Bildhauer Rudolf Pfefferer hat das Staffelsee-Gebiet geprägt.Heute wäre er 100 geworden.

Die Plastik im Lichthof der Murnauer Hauptschule stammt von ihm. Ebenso das Portal der Großweiler Kirche und das Gefallenenmal am Seehauser Friedhof. Der Bildhauer Rudolf Pfefferer hat im Staffelsee-Gebiet vielfältige Spuren hinterlassen. Am heutigen Mittwoch wäre der Künstler, der lange Zeit in Murnau lebte und arbeitete, 100 Jahre alt geworden.

Zur Welt kam Pfefferer 1910 in der Nähe von Gmund am Tegernsee. Seine Mutter war Köchin, der Vater arbeitete als Kammerdiener. Pfefferer absolvierte eine Lehre in einem Münchner Goldschmied-, Ziselier- und Erzgießerbetrieb. Ab 1931 studierte er an der Akademie der bildenden Künste bei Bernhard Bleeker Bildhauerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er über verwandtschaftliche Beziehungen nach Murnau. Dort hatte Pfefferer lange Jahre ein Atelier - an der Stelle, an der heute der Gemeinde-Kindergarten steht.

„Hier konnte man erleben, wie vielfältigste bildhauerische Werke in Ton, Holz, Metall und Stein entstanden - von Künstler- und Faschingsfesten einmal ganz abgesehen“, erinnert sich Horst Wanetschek. Der Murnauer Journalist war mit Pfefferer befreundet. 1976 brachte Wanetschek ein Werkstattbuch heraus, welches das Schaffen des Bildhauers eingehend beleuchtete.

Später wirkte Pfefferer auf Gut Waitzacker bei Weilheim. Der Künstler hat dem Oberland zweifellos seinen Stempel aufgedrückt. In der Emanuel-von-Seidl-Grundschule hockt zum Beispiel der „Sinnende Knabe“. Das Steinrelief über dem Portal der evangelischen Apostelkirche in Weilheim stammt ebenfalls aus Pfefferers Hand. Aber auch auf Friedhöfen und im privaten Bereich sind seine Arbeiten zu finden. Er fertigte Tierbildnisse an sowie Brunnen und Kleinplastiken.

2007 sorgte ein spektakulärer Fund für Aufsehen: Ein Kunstfreund entdeckte auf einem Schongauer Schrottplatz ein großes Kupfer-Wandrelief und erwarb es zum Materialwert für wenige Euro. Letztlich stellte sich heraus, dass es von Pfefferer stammte. Es heißt „Der Tanz um das goldene Kalb“. Das Relief hing einst am Untermarkt in der Schalterhalle der Murnauer Filiale der Münchner Bank. Diese wurde von 1973 bis 1990 betrieben.

Pfefferer hat auch Gabriele Münter verewigt - „in Bronze sowie in der Vereinfachung der Form überaus beeindruckend in Stein“, findet Wanetschek. Beide Werke sind im Murnauer Schloßmuseum zu bestaunen. Der Bildhauer hat in der Nachkriegszeit zusammen mit Münter ausgestellt, und zwar im ehemaligen Lesesaal am Kurpark. Er hat die große Malerin nicht nur in Bronze nachgebildet, sondern auch ihren Grabstein gestaltet. Er ist aus Muschelkalk angefertigt und steht auf dem Murnauer Friedhof.

Wanetschek hält auf Pfefferer große Stücke: „Umfassend ausgebildet in allen Gattungen und Techniken des plastischen Gestaltens und diese Fähigkeiten vielseitig nützend; ideenreich in der Themenfindung und ihrer Realisierung: ein klassischer Bildhauer.“ Rudolf Pfefferer starb 1986 in Schongau.

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