Bootsunfall auf der Ammer: Noch größeres Drama abgewendet?

Saulgrub - Der Tod des Amerikaners (38), der am Samstag mit seinem Boot auf der Ammer gekentert war und anschließend wohl ertrunken ist, beschäftigt weiter die Kriminalpolizei in Weilheim.

Werner Schubert aus Böbing kennt die Ammer, deren Schönheiten und Reize, aber auch deren Gefahren, wie kein Zweiter: Seit 20 Jahren ist er für die Landratsämter Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau als Naturschutzwacht-Beauftragter für die gesamte Ammerschlucht von der Scheibum bis Peißenberg zuständig. Der Bootsunfall vom Samstag, bei dem ein 38-jähriger US-Amerikaner mit seinem Boot kenterte und in den Fluten ertrank (wir berichteten), hat auch ihn getroffen: „Solch’ ein Unglück ist immer sehr tragisch. Und man fragt sich, wie man es hätte verhindern können.“

Die Frage drängt sich auf: War es sträflicher Leichtsinn, dass die zehnköpfige Gruppe der Nato-Schule Oberammergau ihre geplante Tour mit sogenannten „Schlauchkanadiern“ trotz des hohen Wasserstandes - der starke Regen hatte die Ammer in einen reißenden Gebirgsfluss verwandelt - unternahm?

Von offizieller Seite aus gibt es dazu keine Aussage: Die Polizei wird auch keine Ermittlungen gegen ein Mitglied der Amerikaner wegen Fahrlässigkeit einleiten. Werner Schubert indes stellt fest: „Bei solchen Verhältnissen wie am Samstag ist es für Ungeübte Harakiri, in ein Boot zu steigen. Offensichtlich haben die Betroffenen hier wohl die große Gefahr unterschätzt.“

Vor allem an dem berüchtigten Strudel in der Scheibum, wo der Amerikaner gekentert war: „Wer da bei starker Strömung und viel Wasser mit einem offenen Boot in die Tiefe gerissen wird, hat kaum Chancen, wieder lebend herauszukommen. Das ist eine Todesfalle.“ Auch Paul Hopp aus Weilheim, der mit seinem Kajak häufig auf der Ammer unterwegs ist, hat eine klare Meinung: „Die Scheibum gilt als schwieriges Wildwasser. Als ich die Bilder vom Wasserstand am Samstag gesehen habe, bin ich erschrocken. Ich hätte mich da nie ins Boot gesetzt.“

Für die Ammerschlucht gibt es seit Jahren eine ausgeklügelte amtliche Naturschutzverordnung. Diese regelt unter anderem auch, dass Rafting- und Schlauchbootfahrten auf der Ammer grundsätzlich verboten sind. Fahrten mit „Schlauchkanadiern“ für zwei Personen, wie im vorliegenden Fall, sind dagegen ab einem Pegelstand von 68 Zentimetern in der Zeit vom 1. Mai bis zum 15. Oktober erlaubt.

Die Polizei deutete gestern ergänzend zu dem Unglücksfall an, dass offenbar ein noch weitaus schlimmeres Ende dieser Bootstour bittere Realität hätte werden können. Angeblich sei nämlich nicht nur das Boot des 38-Jährigen gekentert, sondern noch drei weitere. Deren Insassen schafften es wohl mit letzter Kraft ans Ufer. Einer aus der Zehner-Gruppe tauchte nicht mehr lebend auf. Die Besatzung des Hubschraubers Christoph Murnau entdeckte und barg etwa zwei Kilometer unterhalb von der Scheibum den Leichnam des Mannes.

Der Soldat war erst seit April an der Nato-Schule, gehörte dort aber zum Stammpersonal. Er kam aus Virginia, war verheiratet und Vater eines Kindes. Die Überführung in die Vereinigten Staaten ist für diese Woche vorgesehen. Geplant hat auch die Schule eine Trauerfeier für den 38-Jährigen.

(hut)

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