Am Aschermittwoch ist’s vorbei in Oberammergau, mit dem Haareschneiden. Christian Stückl präsentierte gestern in München schon mal den Aufruf des Haar- und Barterlasses. f.: hutter

Mit Casting-Blick durchs Dorf

Oberammergau - Auf vielen Ebenen laufen in Oberammergau derzeit die Vorbereitungen für die Passionsspiele 2010; Premiere ist am 15. Mai. Spielleiter Christian Stückl kann auf über 2500 Mitwirkungsberechtigte zurückgreifen.

In der modernen deutschen Fernsehunterhaltung gehört der Begriff längst zum Standard-Vokabular: Casting. Damit bezeichnet wird der Prozess der Rollenauswahl von Schauspielern, Tänzern, Sängern, Fotomodellen und anderen Künstlern vor Produktionen und Inszenierungen. Eine Rollenauswahl steht in naher Zukunft auch in Oberammergau an – für die Passionsspiele 2010.

Und deswegen „läuft“ Spielleiter Christian Stückl in den kommenden Wochen auch „mit einem Casting-Blick“ durchs Dorf: „Ich schau’ mir Jeden genau an.“ Viel Zeit bleibt dem Regisseur indes nicht mehr, denn schon am Abend des 17. April muss er dem Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung seine geheime Liste mit den 38 Hauptrollenträgern präsentieren. Wobei die Volksvertreter von Stückl vorgeschlagene Personen auch mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ablehnen können.

Am darauffolgenden Samstag, 18. April, steigt dann „der große Akt“ im Oberammergauer Passionstheater, mit Festgottesdienst, Gelübdeerneuerung und öffentlicher Benennung der Darsteller.

Vor der versammelten Münchner Presse berichteten gestern im Café des Volkstheaters der Spielleiter, Bürgermeister Arno Nunn und Markus Zwink als musikalischer Leiter der Passion über den Stand der Vorbereitungen. Exakt 1834 Erwachsene und 638 Kinder/Jugendliche – das sind 300 mehr als noch im Jahr 2000 – wollen beim nächsten Passion mit dabei sein, zu dem wieder 500 000 Besucher aus aller Welt erwartet werden. Und jedem Mitwirkenden muss Christian Stückl eine Rolle zuordnen: Unzufriedene und Enttäuschte werden da nicht ausbleiben: „Das ist mein Schicksal.“

Erst einmal sind alle Ammergauer am Aschermittwoch, 25. Februar, einer Tradition folgend, aufgerufen, die Haare sprießen zu lassen (Haar- und Barterlass). Im April werden dann die Werkstätten für den Kulissen- und Bühnenbau eingerichtet, im September reisen die Hauptdarsteller nach Israel, um sich auf die Passion einzustimmen, und spätestens im November beginnen dann die Proben für das große Gelübdespiel, das heuer das 375-jährige Jubiläum feiert. Ein weitere große Aufgabe: Die Vorbereitungen für das traditionelle Pestspiel, das ab dem 3. Juli insgesamt sechsmal im Passionstheater aufgeführt wird.

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