Stau ohne Ende: Ohne Olympia könnte sich daran nicht so schnell etwas ändern. foto: sehr

Ohne Olympia passiert nichts vor 2030

Garmisch-Partenkirchen - Paul Lichtenwald, Chef der Autobahndirektion, gibt eine düstere Prognose für die Verkehrsprojekte im Loisachtal ab

Paul Lichtenwald kann gut Schafkopfen und war ein guter Schüler. Einer, der Christian Neureuther, seinen damaligen Banknachbarn und Spezl, auch mal hat abschreiben lassen. „Mir würden sie heute mein Abitur wegnehmen, wenn man bei mir in der ganzen Plagiatsgeschichte recherchieren würde“, sagt das frühere Ski-Ass. „Ich war nur im Sport besser.“ Nach der Schule trennten sich die Wege. Neureuther blieb seinem liebsten Metier, dem Skifahren, treu, Lichtenwald landete bei der Autobahndirektion Südbayern, die er heute leitet.

In dieser Funktion war der Garmisch-Partenkirchner am Dienstagabend zur Informationsveranstaltung des Vereins OlympiJa im Vorfeld einer möglichen Bewerbung für die Winterspiele 2022 (Bürgerentscheid am 10. November) eingeladen. Lichtenwald blickte auf sein Fachgebiet, den Verkehr - und zeichnete ein düsteres Bild zur Zukunft der dringend benötigten Straßenbaumaßnahmen im Loisachtal. Um fünf Projekte geht es bekanntlich: den Anschluss der A95 an die B2 samt Auerbergtunnel bis Oberau, die Umfahrung Oberau, die Anbindung der B23 an die Umgehungsstraße sowie die Umfahrungen von Garmisch-Partenkirchen mit Kramer- und Wanktunnel (siehe Kasten). „Diese Maßnahmen können nur mit Olympia zeitnah finanziert werden“, stellt Lichtenwald klar. „Ansonsten rücken sie in weitere Ferne.“

Lichtenwald ließ es nicht bei einem pauschalen, oberflächlichen Urteil. Er konnte den fast 500 Gästen im Richard-Strauss-Saal auch Gründe für seine schlechte Prognose liefern. Diese finden ihren Ursprung im Bundesverkehrswegeplan. „Der Bedarfsplan wird gerade fortgeschrieben, das dauert noch bis 2015.“ Darin werden die Straßenbauprojekte nach ihrer Dringlichkeit eingestuft. „Bisher hatten wir den Kramertunnel und die B23 bei Oberau im vordringlichen Bedarf“, erläutert der Chef der Autobahndirektion. Beide Projekte hätten aber für den neuen Plan 2015 schlechte Karten, meint er. Das Teilstück der B23 am Ettaler Berg hänge komplett von der Oberauer Umfahrung ab, „der Kramertunnel ist einfach sehr teuer“. Aktuell sind 176 Millionen Euro veranschlagt. Für die Einstufung der Vorhaben sei der Kosten-Nutzen-Faktor entscheidend. Und da komme die Umfahrung Garmisch, für die nicht mal der Erkunddungsstollen fertiggestellt ist, nicht gut weg.

Für den Bundesverkehrswegeplan 2015 gibt es drei Dringlichkeitsstufen. „Neu ist ,Vordringlicher Bedarf plus‘, die gab es bisher nicht. Da werden nur Projekte mit sehr starken Engpässen und hohem Kosten-Nutzen-Wert aufgenommen. Ich wage zu behaupten, dass keines unserer Projekte da reinschafft.“ Stufe zwei sei der vordringliche Bedarf. „Vielleicht klappt es nochmal mit dem Kramertunnel, aber ich denke, dass er eher in den weiteren Bedarf kommt.“ Und damit erst einmal aus dem Fokus rutscht. „Das hieße dann, dass er frühestens ab dem Jahre 2030 realisiert werden könne.“ Eine Aussage, die saß. Bisher war stets von einem möglichen Baubeginn 2015 ausgegangen worden. Im Saal wurde es mucksmäuschenstill.

Eine Chance für die Region sieht Lichtenwald lediglich in Olympia 2022. „Das hat die Bewerbung 2018 gezeigt“, stellt er klar. „Die hatte eine Dynamik in die Planungen gebracht.“ Planungen, die teilweise bereits seit Jahrzehnten vorangetrieben werden, kommentiert Lichtenwald leicht sarkastisch. „Das ging nun aber so weit, dass wir 2018 hätten fertig sein können.“ Mit der Entscheidung im Juli 2011 für Südkorea aber folgte der Kollaps. „Da ist alles zusammengebrochen.“ Lichtenwald rechnet auch im Falle einer Bewerbung für die Spiele 2022 wieder mit Sondertöpfen - beispielsweise für einen weiteren Ausbau der Autobahn 8 in Richtung Salzburg zu den weiteren Sportstätten. „Da geht es dann ja schließlich um nationales Prestige.“

Lichtenwald selbst kennt die Probleme im Loisachtal nur zu gut. Auf seinem Weg nach München erlebt er das Verkehrschaos oft genug am eigenen Leib. „Zur Notwendigkeit brauche ich ja nichts zu sagen. Und glauben Sie mir, ich habe den Ehrgeiz, diese Maßnahmen in meinem Bereich nach vorne zu treiben.“ Doch: Seine Möglichkeiten sind beschränkt. „Wenn es an die Finanzierung geht, wird es eng.“ Und da schließt sich der Kreis zu Neureuther. Schafkopfen können die beiden ganz sicher, einen Tunnel bauen - dazu reicht’s nicht. (cf)

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