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Auf Kurs: Der Mittenwalder Bereitschaftsleiter Robert Müller fährt mit dem Aluboot über den Lautersee. Wie er sind alle Kollegen der Wasserwachten im Landkreis bereit für die Saison.

Personal wegen Pandemie reduziert

Zwischen Corona und Verkehrschaos: Wasserwachten im Landkreis sind vorbereitet auf die Saison

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Erst Schön-Wetter-Tage, dann Starkregen – und somit zahlreiche Einsätze: Die Wasserwachten im Landkreis waren zuletzt stark gefragt. Kein Drama für die Bereitschaften, sie sind längst vorbereitet auf die Saison. Mehr Gedanken macht sich der Kreisvorsitzende über die ernste Situation an Land.

Landkreis – Marc Lehmann kennt die Ölsardinen-Bilder. Wenn die Menschen an den Seen und in den Bädern in der Region fast Haut an Haut schon auf dem Handtuch des Nachbarn liegen. Oder wenn die Gäste ihre Autos regelrecht aneinanderquetschen, um noch einen Parkplatz zu ergattern. Der Ansturm an Schön-Wetter-Tagen ist nicht neu. Doch der Vorsitzende der Kreiswasserwachten und die Ehrenamtlichen stehen heuer vor einem Rätsel. Lehmann nennt es die „große Überraschungskiste“.

Seit 8. Juni haben einige Freibäder wieder geöffnet. Allerdings lassen sie wegen Corona weniger Menschen rein. Wohin verschlägt es den Rest, fragt sich Lehmann. An frei zugängliche Badeplätze und an Flüsse, glaubt er. Prinzipiell stellt das die Wasserwachten im Landkreis vor keine Herausforderung. Sie kennen sämtliche Gewässer. Allerdings, betont Lehmann, „können wir nicht an fünf Stellen gleichzeitig sein“.

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Die Wachstationen sind vorbereitet für die Saison. Personell auf das Nötigste dezimiert. Sieben bis acht Einsatzkräfte waren früher für einen Dienst eingeteilt, jetzt in der Regel nur vier. Das Personal bleibt aber auf Abruf, verdeutlicht Lehmann. Die Wasserwachten stellen damit ihre Arbeit sicher. Denn auch sie sind vor Corona-Erkrankungen nicht gefeit. „Falls ein Verdachtsfall in den eigenen Reihen auftaucht“, verdeutlicht der Vorsitzende, „dann müssen wir daheim bleiben.“ Zumindest diejenigen, die zu den Kontaktpersonen der Kategorie eins (längerer, direkter Kontakt) zählen.

Desinfektion der Aluboote kein Problem

Der Dienst läuft insgesamt relativ normal ab. Kittel und Mundschutz haben die Bereitschaften in ausreichender Menge vom Kreisverband erhalten. „Wir können auf alle Symptome reagieren“, sagt Lehmann. Selbst die Kontaktflächen auf den Alubooten zu desinfizieren, macht den Einsatzkräften die Arbeit nicht unnötig schwer. „Das mussten wir vor Corona ja auch tun.“ Zum Beispiel bei blutenden Wunden. Selbst die Liegen in den Hütten an Land wurden regelmäßig gereinigt. Nur die Herangehensweise ändert sich. Lehmann macht’s an einem Beispiel deutlich: Wenn sich ein Patient den Fuß verstaucht hat, sei dieser an sich ja nicht krank. „Jetzt gehen wir immer davon aus, dass er es ist.“

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Viel mehr Sorgen als über Covid-19 bereitet den Wasserwachten der Touristenansturm an manchen Seen. Und damit verbunden das Verkehrschaos. „Da gab’s schon Probleme“, sagt Lehmann. Die Lage am Staffelsee stuft er als „ernst“ ein. Allerdings bestehen dort Alternativ-Routen, falls eine Zu- oder Abfahrt auf die Schnelle unpassierbar sei. Als weitaus dramatischer wertet er die „sehr extreme“ Situation Richtung Eibsee. „Ich verurteile aufs Schärfste“, betont der Vorsitzende, „wenn man nicht mehr durchkommt“. Wenn Rettungswege von den Ausflüglern blockiert werden und deshalb manchmal sogar ein Hubschrauber zur Hilfe eilen muss.

Wegen Staugefahr: Dienst beginnt früher

Dass die türkisblaue Perle am Fuße der Zugspitze Touristen anlockt, kann er verstehen. Dass die Menschen die Bergstrecke mit ihrem eigenen Pkw erklimmen wollen ebenfalls, auch wenn – anders als am Staffel- oder Riegsee – es nur diesen einen Weg hinauf gibt. Das Team der Wasserwacht hat längst auf das Chaos reagiert. Es beginnt früher mit dem Dienst. Meistens um 10 Uhr, manchmal auch früher – um gar nicht erst in die Stau-Falle zu geraten.

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