Günstiger ist das Tanken in Österreich. foto: sehr

"Das ist jetzt quasi der Todesstoß"

Garmisch-Partenkirchen - Die Tankstellen im Grenzgebiet leiden nach wie vor massiv unter dem Tank-Tourismus nach Österreich. Vielen leben nur noch vom Zusatzgeschäft.

Eigentlich hat das neue Jahr für die Tankstellen-Betreiber im Werdenfelser Land mit einer guten Nachricht begonnen: Österreich erhöht die Mineralölsteuer. Somit wurde Normalbenzin zum 1. Januar dort um fünf und Diesel gar um sechs Cent teurer. Fahren jetzt nicht mehr so viele Menschen in das Nachbarland zum Tanken, und bedeutet das vielleicht sogar das Ende des Tank-Tourismus’? Weit gefehlt: Keine zwei Wochen später kletterten die Spritpreise für Normalbenzin in Deutschland auf über 1,50 Euro pro Liter.

Die Österreicher zeigen sich von alldem ungerührt. Cornelia Kerber hat die Mineralölsteuer-Erhöhung auch vorher kein Kopfzerbrechen bereitet. „Wir haben in den ersten Tagen des Jahres nichts gemerkt“, sagt die Geschäftsführerin der Tankstelle an der Schanz in Ehrwald. „Die Leute aus Deutschland kommen nach wie vor.“ Das bestätigt auch der Besitzer der Tankstelle in Scharnitz, Walter Reinpold. „Tanken in Österreich rentiert sich immer.“

Normalbenzin ist aktuell um 16 Cent günstiger, Diesel um einen Cent. Vor allem die enormen Sprünge innerhalb eines Tages treiben die deutschen Kunden zu Reinpold. In Österreich seien die Preise wochenlang stabil.

Dass sich an den hohen Sprit-Kosten im Nachbarland so schnell etwas ändert, glaubt er nicht. „In Deutschland bleiben die Preise, da wird’s glaube ich nicht billiger.“ Bei dieser Einschätzung muss ihm Thomas Hensel Recht geben. „Von dem Niveau jetzt kommen wir nicht mehr weg“, bedauert der Pächter der Tankstelle an der Zugspitzstraße in Garmisch-Partenkirchen. Er kämpft ums Überleben. „Das ist jetzt quasi der Todesstoß“, sagt der 45-Jährige. „Wir Tankstellen im Grenzgebiet leiden ganz massiv unter dem Tank-Tourismus.“

Hensel betreibt die Tankstelle seit 23 Jahren und hat viele Höhen und Tiefen mitgemacht. „Seit sechs, sieben Jahren sind wir am Existenzminimum.“ Nur mit dem Verkauf von Benzin allein hätte er schon lange zugesperrt. Er finanziert sich über das Zusatzgeschäft. Der Shop-Verkauf läuft relativ gut, vor allem die Lotto- und Toto-Annahmestelle. „Die hat uns das Leben gerettet, das muss man echt sagen.“ (jpa)

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