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Wird weiterhin am Sonntag geleert: der Briefkasten vor dem ehemaligen Postgebäude in Murnau, in den Edith Scheifl hier einen Brief einwirft.

Ammertal wohl besonders betroffen

Deutsche Post schränkt Briefkasten-Leerungen ein

Landkreis - Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel schlägt Alarm: Die Deutsche Post dünne ihr Angebot aus – vor allem im ländlichen Bereich. Konkret geht es um Briefkastenleerungen am Sonntag, die drastisch reduziert werden sollen. 

Die Pressemitteilung, die Sozialdemokrat Klaus Barthel vergangene Woche verschickte, schlug hohe Wellen. Darin verwies er auf eine Einsparung bei der Post, wonach bundesweit sonntags nur mehr 2000 statt wie bisher 11 000 Briefkästen geleert werden sollen – ein Unding in den Augen des Berufspolitikers aus Kochel. „Es muss auch in ländlichen Bereichen mit vertretbarem Aufwand noch möglich sein, etwa fristwahrende Briefe zu verschicken“, ärgert er sich. Vor dem Hintergrund der heuer eingeführten Portoerhöhung auf 70 Cent pro Standardbrief könne die Rotstift-Aktion des einstigen Staatsbetriebs, der zur flächendeckenden Grundversorgung verpflichtet sei, nicht hingenommen werden.

Der Einschnitt bei den Sonntagsleerungen dürfte vor allem Geschäftsleute und Touristen treffen, die ungern größere Zeitverluste hinnehmen. Im schlimmsten Fall kann ein Schreiben zwei Tage lang nicht aufgegeben werden, wenn die Samstagsleerung schon am Vormittag erfolgt – und die nächste erst wieder am Montag.

Die spannende Frage lautet: Welche Landkreis-Orte fallen der Umstellung zum Opfer – und welche nicht? „Die Feinplanung läuft noch“, sagt Konzernsprecher Dieter Nawrath. Aber soviel steht fest: Eine Abholgarantie am Sonntag soll es nur noch an Standorten mit einer „ausreichenden Kundenfrequenz“ geben. Die Post nennt als Beispiele größere Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern, Kreis- und kreisfreie Städte sowie Gemeinden mit ICE-Haltepunkten.

Ammertal als ein großer weißer Fleck

Das bedeutet für den Landkreis: Weiterhin dabei sind der Kreisort Garmisch-Partenkirchen sowie Murnau, Mittenwald und Oberau, wo der Express-Zug Stopps einlegt. „Diese vier Orte sind gesetzt“, bestätigt Nawrath. Der Rest wird, so ist zu befürchten, bei den Sonntagstouren nicht mehr berücksichtigt. Das wäre vor allem für die Tourismusregion Ammertal bitter, die in dieser Hinsicht ein großer weißer Fleck werden würde.

Arno Nunn, Bürgermeister der größten Ammertal-Gemeinde Oberammergau, ist alles andere als begeistert. „Das ist auf jeden Fall ein Nachteil für uns“, sagt er. Bislang gibt es seines Wissens nach im Passionsort drei Sonntagsbriefkästen: am Kleinen Theater, am Wellenberg und bei der Postagentur an der Rottenbucher Straße. Die gesamte Region kämpfe seit Jahren damit, unterstreicht Nunn, dass sich die Post mit ihren Leistungen immer weiter zurückzieht.

So argumentiert die Deutsche Post den Rückzug

Der Gelbe Riese begründet indessen den Schritt mit wirtschaftlichen Überlegungen: „Der kontinuierliche Rückgang von Briefsendungen in den letzten Jahren führt dazu, dass sich in den meisten der rund 11 000 Briefkästen mit Sonn- und Feiertagsleerung nur wenige Briefsendungen befinden“, heißt es. Zum Teil nicht mal eine Handvoll, berichtet Nawrath. Das Unternehmen betont, dass es aber keine Pläne gebe, Briefkästen abzumontieren.

SPD-Volksvertreter Barthel ist skeptisch. Er befürchtet, dass der Konzern im E-Mail-Zeitalter sein Streichkonzert fortsetzt und beispielsweise die Montagszustellung weiter einschränkt. Der Abgeordnete gibt sich kämpferisch: „Man muss Druck machen.“ Einen ersten Erfolg sieht er bereits: Anfangs sei die Rede davon gewesen, nur noch in Städten ab 20 000 Einwohnern die Sonntagsbriefkästen zu betreiben. Im Landkreis wäre dies auf Garmisch-Partenkirchen als einzigen Ort hinausgelaufen. Und jetzt, nach seiner Intervention, sei man schon zurückgerudert.

Andreas Seiler

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