"Die braune Brut hat hier nichts verloren"

Murnau - Murnau zeigt den Neonazis die rote Karte. Alle Geschäfte haben am Samstag geschlossen. Dem Aufmarsch will man keine Aufmerksamkeit schenken.

Fest steht, dass die Bürger keine Neonazis in haben wollen. Die Unternehmer im Ober- und Untermarkt gehen gemeinsam gegen die "braunen Kameraden" vor und werden am Samstag von 14 bis 16 Uhr die Geschäfte und Lokale schließen. Die Fußgängerzone wird einer Geisterstadt gleichen. Doch mit dieser Aktion, zu der der Wirtschaftsförderverein zusammen mit Gemeinderäten, Polizei und "Werdenfelser Bündnis gegen Rechts" aufruft, soll dem Aufmarsch möglichst wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das Beste was man tun kann, sei diesen Menschen den Rücken zuzukehren, meint Barbara Krönner. Sie wird ihr Café schließen und darüber hinaus alle Fenster zu hängen. Die Unternehmerin ist schon ein wenig verärgert, denn der Samstag ist der "beste Einkaufstag der Woche". Krönner nimmt enormene wirtschaftliche Einbußen in Kauf. Der Nazi-Aufmarsch ist für sie eine "unerträgliche Belastung", trotzdem sieht sie die Demonstration als Chance. Murnau könne so zeigen, dass sich die Einstellung von damals geändert hat. Dem Aufruf des Wirtschaftsfördervereins kommt auch der Besitzer des italienischen Restaurants "da noi" nach. Begeistert ist er nicht. Das sei eine "negative Werbung für das wunderschöne Dorf". Ebenfalls den Demonstranten die kalte Schulter zeigen und die Türen verriegeln wird der Besitzer vom "Centro". "Wir sind Demokraten und wollen so etwas nicht in Murnau."

Die Nazis ignorieren, rät der Kommandant der Murnauer Feuerwehr, Herbert Maurus. Einer von vielen Vorschlägen, wie man den Nazis entgegentreten kann, war, eine große Feuerwehrübung im Markt zu organisieren. Für Maurus kam das nie in Frage. "Das ist nur Provokation". Die Demonstranten soll "man durchmarschieren lassen, damit sie schnell wieder weg sind." Konkrete Worte findet der Vorsitzende des TSV Murnau, Hans-Peter Burger: "Die braune Brut hat hier nichts verloren." Es stimmt ihn traurig, dass "so etwas in Murnau stattfindet" und appelliert gleichzeitig an die Gegendemonstranten, sich friedlich zu verhalten und in "stillem Protest" zu verharren. Der TSV-Vorsitzende weißt in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung einer guten Jugendarbeit hin. Rechtsradikale Gedanken könnten so erst gar nicht aufflammen. Ähnlich sieht das Brigitte Salmen: "Es ist wichtig, auf die Jugendlichen zuzugehen und mit ihnen das Gespräch zu suchen, damit sich das in deren Köpfen nicht festsetzen kann." Die Leiterin des Schloßmuseums ist entsetzt und hofft, dass der Nazi-Aufmarsch "ein einmaliger Spuk bleibt und in Murnau nicht Fuß fassen kann." Murnaus Pfarrer Helmut Enemoser betont, dass die geplante Demonstration von jedem abgelehnt wird. Der Seelsorger rät, die ganze Sache möglichst zu ignorieren und den Rechtsradikalen kein Forum zu bieten. Demonstrativ ist geplant, sobald die Rechten aus dem Markt verschwunden sind, Murnau sauber zukehren und auszuräuchern. Der Wirtschaftsförderverein ruft die Bevölkerung auf, sich zahlreich an der Aktion "Der Dreck muss weg" zu beteiligen. Auch die Gastronomen werden gebeten, nach der Kundgebung "sofort wieder zu öffnen".

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