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Er ist der Koordinator für die Digitalisierung: Lehrer Sebastian Unterstein aus Oberammergau. 

Bildungsoffensive

Die digitale Revolution im Klassenzimmer: Jetzt sollen die Landkreis-Schulen fit gemacht werden

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Sebastian Unterstein hat eine Mission. Der Lehrer will heuer als erster Koordinator für Digitalisierung im Landkreis die staatlichen Schulen fit für das neue Medien-Zeitalter machen. Keine leichte Aufgabe.

Landkreis – Sebastian Unterstein steht vor einer weißen Tafel mit schwarzen Karomustern. Sie leuchtet. Vor ihm ist ein Zirkel so groß wie der Unterarm des 34-Jährigen. Ein wenig wischt er darauf herum und schon hat er einen perfekten Kreis mit 50 Zentimeter Durchmesser gezeichnet. Ein weiterer Schlenker mit der Hand und schon ist das kleine Kunstwerk wieder weg. Er begutachtet die leere Tafel und muss lachen. „Früher hat es dafür einen Tafeldienst gegeben“, erinnert er sich. Heute gibt es statt einem nassen Schwamm und von Kinderhänden beschmutzter Kreide einen hochmodernen Beamer und einen Stift, der allerdings nicht wirklich schreibt, sondern digital das Geschriebene an die Wand projiziert.

Unterstein steht in einem Klassenzimmer der Grund- und Mittelschule Oberammergau. Hier hat der Koordinator für Digitalisierung seinen Arbeitsplatz. Seine Stelle wurde heuer aufgrund der bayernweiten Digitalisierungs-Offensive neu geschaffen. Der Unterrichtsraum ist nach heutigen Maßstäben nicht einmal mehr besonders futuristisch. „Er ist Standard mittlerweile“, erklärt er. Zur Grundausstattung eines jeden Klassenzimmers gehört mindestens ein Laptop, ein Beamer mit Touchscreen sowie eine Dokumenten-Kamera. Letztere hat den klassischen Overhead-Projektor, mit dem jeder im letzten Jahrtausend Geborene noch seine Referate oder Hausaufgaben vor der Klasse präsentieren musste, ersetzt. Unterstein muss wieder schmunzeln. Heute ist der klobige Bildwerfer im Ruhestand. „Auf dem Dachboden hab ich noch einen stehen sehen.“ Er verstaubt wie so vieles, war vor Jahrzehnten noch hochmodern war.

Beratung in Sachen Ausrüstung

Der technologische Fortschritt geht eben immer schneller voran, auch im Landkreis. Das weiß zur Zeit keiner besser als Unterstein. Was heute noch das Maß der Dinge ist, könnte im nächsten Jahr schon Schnee von gestern sein. Das macht seine Aufgabe umso schwieriger. Der neue Medien-Koordinator muss in diesem Schuljahr den Bedarf an digitalem Equipment aller staatlichen Grund- und Mittelschulen im Landkreis prüfen. Nachhaltigkeit lautet das Zauberwort. Es darf nichts angeschafft werden, was die Schule nicht braucht oder in zwei Jahren überholt ist. Nicht leicht, da viele Kommunen als Sachaufwandsträger dank der stattlich erstmaligen Förderung von 90 Prozent natürlich aufhorchen und am liebsten noch heute als morgen kräftig aufrüsten würden. Damit die Gemeinden und Schulleiter aber keine unzähligen Tablets bestellen, die vielleicht in zwei Jahren schon wieder veraltet oder für den jeweiligen Unterricht gar nicht nötig sind, bietet Unterstein Beratungen an. „Ich passe individuell die Ausstattung an die Bedürfnisse der jeweiligen Schule an“, erklärt er.

Die Fortschritte der Digitalisierung an den Bildungseinrichtungen sind teilweise gravierend. Während einige Schulen sich in den vergangenen Jahren erfolgreich als Medienreferenten beworben und mit voll digitalisieren Klassenzimmern samt Whiteboards, Tablets und Smartphones glänzen, gibt es in manch anderen nicht einmal im Sekretariat eine durchgehende Internet-Verbindung. Unterstein ist nun derjenige, der ausloten und die Wissensstätten angleichen muss.

Neue Medien sinnvoll nutzen

Grundvoraussetzung sollten verschiedene Wlan-Hotspots sowie ein Laptop und ein Beamer für jedes Klassenzimmer sein. „Dann können die Schüler auch lernen, Präsentationen anzufertigen und vorzutragen.“

Vielleicht könnten sogar manche Handy-Apps im Unterricht einfließen. Die gibt es nämlich schon zu  Genüge. Doch hier kann Unterstein vorerst nur spekulieren. Beispielsweise gibt es Handy-Programme, die ganze Mathe-Hausaufgaben für einen erledigen – samt Lösungsweg. „Wichtig ist, dass die neuen Medien sinnvoll genutzt werden“, erklärt Unterstein. Dazu gehört auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Geräten. Das ist neben der Grundschule hauptsächlich an der Mittelschule ein großes Thema. „Jeder soll die Gefahren kennen, wenn er beispielsweise Bilder von sich online stellt.“ Mit dem Handy arbeiten statt dagegen lautet also die neue Devise in dem einzigen Bundesland, das eine Handynutzung an Schulen strikt verboten hat.

Bis zum Juli 2019 wird Unterstein nun an dem neuen Medienkonzept arbeiten. Dazu zählen neben dem Mediencurriculum, der zentrale Baustein des Konzeptes, auch das Fortbildungskonzept für Lehrkräfte. „Schüler wissen oft besser Bescheid über die Neuen Medien als Lehrer“, erzählt Unterstein. Doch auch er sieht hier bereits ein großes Engagement seiner Kollegen an den Tag legen.

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