Eigene Währung für Landkreis

Murnau - Murnauer Geschäftsleute wollen im Landkreis eine Parallel-Währung zum Euro einführen: Der "Regio" soll Kaufkraft in der Region halten und somit die hiesige Wirtschaft stärken.

Die Idee einer Regionalwährung, die rechtlich gesehen ein Gutscheinsystem darstellt, ist nicht neu. In Deutchland sind in den vergangenen Jahren über 25 solcher Währungen als Ergänzung zum Euro entstanden. Mit den Parallel-Währungen wollen die Initiatoren den globalisierten Finanzströmen entgegentreten, um Geld und damit auch Arbeit in der Region zu halten.

Hierzulande ist in dieser Sache die Organisation "Oberland Regional ­ Verein für nachhaltige Wirtschaftskreisläufe" mit Sitz in Eurasburg aktiv. Seit 2005 ist diese dabei, in den Landkreisen des Oberlands den "Regio" als alternatives Zahlungsmittel einzuführen. Rund 100 Geschäfte und Betriebe nehmen inzwischen die farbigen "Regio"-Scheine an, die im Verhältnis 1:1 zum Euro in Ausgabestellen eingetauscht werden können. Weitere 100 Firmen kommen in München und im Ostallgäu hinzu. Nun soll auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen "erobert" werden. Bislang gibt es erst in Murnau drei Geschäfte, die bei dem Projekt mitmachen: das Einrichtungshaus Refugio, die Gärtnerei Müssig und die Parfümerie Rebholz.

Refugio-Chef Lothar Schultz setzt nun auf eine Informationsveranstaltung am Donnerstag, 12. Juni, um mehr Mitstreiter zu gewinnen. 10 bis 15 Firmen sollten es für den Anfang schon sein, erklärt Schultz. "Wir müssen die Leute mobilisieren." Der Händler ist von dem "Regio"-Projekt überzeugt. Davon profitierten Geschäftsleute und Verbraucher gleichermaßen. Denn wenn Kaufkraft in der Region bleibt, dann würden damit auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze gesichert und geschaffen, erklärt Schultz. Er könne es nicht verstehen, dass manche Leute über 100 Kilometer weit zu einem Großmarkt fahren, um dort Produkte zu kaufen, die sie hier auch bekommen.

Initiator und Chef des "Vereins für nachhaltige Wirtschaftskreisläufe" ist der Eurasburger Betriebswirt und Psychologe Rolf Merten. "Der Regio ist ein Mammutprojekt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es in der ersten Phase zögerlich vorangeht", erklärt er. Voraussetzung für den Erfolg der Regionalwährung seien freilich ein hoher Bekanntheitsgrad und möglichst viele Unternehmen, die mitmachen. Merten setzt darauf, zwei mächtige Verbündete für seine Idee zu gewinnen: den Murnauer Wirtschaftsförderverein und den Zusammenschluss "Unser Land". Zudem sei ein elektronisches Zahlungssystem für den "Regio" in Planung ­ vergleichbar mit der EC-Karte. Dies werde der Aktion einen gewaltigen Schub geben. Eine Bank als Partner habe man auch schon. Merten hofft, dass eines Tages die Bewohner des Oberlands etwa 30 Prozent ihres Privatkonsums mit dem "Regio" bezahlen und damit eine gewaltige Geldsumme in ihrer Heimat lassen.

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