Besitz pornografischer Schriften: Bewährungsstrafe für Ettaler Pater

Ettal - Über Wochen beschäftigten die Vorgänge von Schlägen und Züchtigungen im Kloster Ettal die Öffentlichkeit: Jetzt ist erstmals ein beschuldigter Pater von einem Gericht rechtskräftig verurteilt worden.

Nachdem die Staatsanwaltschaft München II Mitte April ihre Ermittlungen gegen einen Pater wegen des unerlaubten Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften abgeschlossen hatte, wurde jetzt im Zuge eines Strafbefehlsverfahrens ein Urteil gesprochen:

Der angeklagte Klosterangehörige, der den ihm zur Last gelegten Vorwurf nach Angaben der Staatsanwaltschaft einräumte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung verurteilt. Im Rahmen der Bewährungsauflagen muss der Pater außerdem eine Geldbuße in Höhe von 2000 Euro an die Staatskasse zahlen. Die Entscheidung des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen ist rechtskräftig, nachdem der Angeklagte keinen Einspruch eingelegt hat.

Der Mönch hatte aus dem Internet Bilder und Filme mit pornografischem Inhalt als Dateien auf seinem Computer im Kloster heruntergeladen. Entsprechendes Beweismaterial habe man, wie gestern Oberstaatsanwältin Andrea Titz bestätigte, Anfang März im Rahmen einer Durchsuchung in Ettal sichergestellt. Keinerlei Anhaltspunkte gebe es jedoch dafür, dass der Pater die besagten Bilder auf andere Seiten im Internet gestellt habe: „Dazu brachten die Ermittlungen keine Erkenntnisse“, erklärte Titz. Der Beschuldigte hatte sich im Rahmen der Untersuchungen gegen Ettal selbst angezeigt und war danach von seinen Pflichten entbunden worden. Anschließend trat der Mönch eine Therapie an.

Nachdem nun über diesen Fall entschieden ist, stehen bei der Staatsanwaltschaft München II noch weitere Ermittlungen gegen Angehörige des Klosters an. Hier geht es um Straftaten, die an Kindern und Jugendlichen in nicht verjährter Zeit begangen wurden. Um wieviel Pater es sich dabei handelt, wollte Oberstaatsanwältin Titz gestern nicht sagen. Auch nicht, was ihnen zur Last gelegt wird: „Es sind schwebende Verfahren, dazu müssen noch Zeugen vernommen werden.“

Laut Abschlussbericht des externen Sonderermittlers Thomas Pfister von Mitte April richten sich die Beschuldigungen im Falle Ettal gegen 15 Patres und einige weltliche Erzieher, insbesondere wegen Misshandlung und sexuellem Missbrauch, wobei die allermeisten Taten zwischen 1960 und 1990 verübt wurden.

Ludwig Hutter

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