Will mit der Euro-Alternative die heimische Wirtschaft stärken: Cornelia Hamberger, die eine Ausgabestelle für den Regio betreibt. Foto: Seiler

Euro-Alternative mit kleiner Fangemeinde

Murnau - Die Regionalwährung Regio hat in Murnau an Zuspruch gewonnen. Mittlerweile nehmen 16 Geschäfte die alternative Währung an.

Noch vor einem Jahr stieß die Regionalwährung Regio in Murnau auf reichlich Desinteresse. Gerade mal eine Handvoll Geschäftsleute war damals bereit, die bunten Geldscheine als Alternative zum Euro anzunehmen. Doch mittlerweile hat der Regio, den der in Eurasburg ansässige Verein Oberland Regional etablieren will, in der Staffelsee-Gemeinde eine kleine Fangemeinde. Immerhin 16 Geschäfte nehmen das Zahlungsmittel an, angefangen bei einer Buchhandlung über ein Blumengeschäft bis hin zur Tankstelle. Sogar ein Finanzmakler lässt sich seine Dienste in Regios bezahlen.

Zwei Ausgabestellen - das Refugio in der Bahnhofstraße und Cornelia Hambergers Gesundheitsberatung in der Färbergasse - versorgen die Kunden mit den Scheinen, die im Verhältnis eins zu eins mit Euro eingetauscht werden können. „Es läuft gut. Die Leute sind sehr interessiert“, berichtet Hamberger, die als Regionalbeauftragte der Initiative tätig ist. Natürlich seien die Umsätze nach wie vor sehr gering, räumt die Geschäftsfrau ein. Aber mit Info-Abenden und viel Überzeugungsarbeit könne man immer mehr Anhänger dazu gewinnen. So soll der Regio beispielsweise heuer beim Kulturknall-Festival im Sommer als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Bemerkenswert: Im restlichen Landkreis ist das Regio-Interesse minimal, insgesamt gibt es nur 21 Partner.

Rechtlich gesehen sind die Regios Wertgutscheine, die von den Mitgliedern des Vereins als Zahlungsmittel anerkannt werden. Die Idee, die dahinter steckt, ist simpel: Mit dem Regio soll das Kapital in der Region bleiben - was die heimische Wirtschaft stärkt und den Absatz regionaler Produkte fördert. Seit 2004 versucht der Regio-Verein, das neue Zahlungsmittel vor allem im Oberland einzuführen - eine Aufgabe, die viel Geduld erfordert. Rund 230 Geschäfte und Betriebe gibt es mittlerweile, die die Euro-Alternative in ihren Kassen haben - Tendenz steigend. Fast 30 000 Regios sind im Umlauf. Großes Vorbild ist der Chiemgauer. Dieses 2002 gestartete Regionalgeld-Projekt kann inzwischen ein Netzwerk mit über 650 Firmen vorweisen.

Beim Regio geht es jedoch nicht nur um die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe. „Der Regio ist eine soziale Währung“, betont Monika Herz, Geschäftsführerin des Regio-Vereins. Denn mit den Einnahmen aus Rücktauschgebühren und Wertmarken-Verkauf würden gemeinnützige Vereine unterstützt, etwa Menschen Helfen aus Murnau. Die besagten Marken müssen eingetauscht und nach einer gewissen Zeit auf die Regio-Scheine aufgeklebt werden, um deren Wert zu erhalten. Dies soll bewirken, dass das Geld schneller ausgegeben und der Umsatz angekurbelt wird.

Angelika Rebholz, Chefin des Murnauer Wirtschaftsfördervereins, findet die Regio-Idee klasse. Inzwischen könne damit in der Staffelsee-Gemeinde zumindest ein Teil des täglichen Bedarfs abgedeckt werden.

Ganz neu im Kreis der Regio-Partner ist Barbara Krönner, die das gleichnamige Kaffeehaus in der Fußgängerzone betreibt. „Es sind schon einige Scheine eingegangen“, berichtet sie. Sie unterstütze das Projekt, da damit die regionale Kaufkraft besser gebunden und die Abhängigkeit von den Banken etwas reduziert werde.

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