Ehrenamt kann zum Zwangsposten werden

Feuerwehr-Kommandant verzweifelt gesucht

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Seehausen/Landkreis - Feuerwehr-Kommandant verzweifelt gesucht: Mit dem Problem, das sich aktuell in Seehausen stellt, sahen sich auch andere Landkreis-Orte schon konfrontiert. Ein Insider glaubt, dass die K-Frage für kleinere Wehren immer schwieriger werden könnte.

Josef Wörner (55) weiß, wovon er spricht: „Du musst Idealist sein.“ Wörner brachte selbst über Dekaden Herzblut ein: zwölf Jahre als Zweiter und zwölf als Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Riegsee. Am Ende leerte sich Wörners Akku, er kündigte 2012 wie Stellvertreter Franz Höcker junior seinen Rückzug an. Damit begann die schwierige Suche nach einem Nachfolger. Schließlich fand sich in Markus Veit doch noch ein Kandidat, der losgelöst von der regulären Jahresversammlung an einem separaten Termin gewählt wurde. Eine haarige Situation war das damals, weiß Wörner – Ausgang ungewiss.

Die einstige Bredouille am Rieg- gleicht der aktuellen am Staffelsee wie ein Ei dem anderen. Auch in Seehausen hören in Andreas Kern und Michael Scheu Chef sowie Stellvertreter gleichzeitig auf – und mögliche Kern-Nachfolger winken bislang ab. Wörner, der mittlerweile Riegseer Ehrenkommandant ist, glaubt, dass diese Negativ-Entwicklung vor allem in den Dörfern zunehmen wird: „Gerade bei den kleineren Wehren wird das noch bei mehreren kommen“, prophezeit er. Vor 40 Jahren verstand sich der Kommandant häufig als „Alleinunterhalter – heutzutage muss man die Arbeit, die zugenommen hat, auf mehrere Schultern verteilen“. Der Chefposten, der mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt wird, die sich an der Zahl der Einsatzfahrzeuge orientiert (in Seehausen etwa 200 bis 250 Euro monatlich), ist kein reines Zuckerschlecken. Wörner spricht von der „brutalen Verantwortung“, dem „hohen Zeitaufwand“, den die Familie mittragen müsse, den „immer anspruchsvolleren Geräten“ und technischen Anforderungen.

Kreisbrandrat Johann Eitzenberger aus Garmisch-Partenkirchen bestätigt, dass es sich um ein anstrengendes, zeitaufwändiges Ehrenamt handle, „aber auch um eine ehrenvolle Aufgabe“. Der Posten werde heute jedoch „anders ausgeübt“ als vor 30 Jahren: Der Kommandant lebe von der Kameradschaft, „er ist nicht allein. Hilft man zusammen, funktioniert es“. Eitzenberger meint aber auch, dass es „nicht unbedingt leichter wird, solch ein besonderes Ehrenamt wie den freiwilligen Feuerwehrdienst auszuüben“. Nötig sei die Unterstützung von Politik und Arbeitgebern.

Eitzenberger: "Die Situation ist von Ort zu Ort ganz unterschiedlich."

Von einem allgemeinen Trend zum Kommandanten-Mangel will Eitzenberger indes nicht sprechen – ebenso wenig kann er pauschal bestätigen, dass es in Dörfern immer schwieriger wird, Führungspersonal zu akquirieren. „Die Situation ist von Ort zu Ort ganz unterschiedlich“, sagt der Kreisbrandrat, der in der K-Frage keinesfalls in Alarmstimmung verfällt. In Murnau etwa war der Posten vor einigen Jahren so heiß begehrt, dass nach einem Abstimmungs-Patt ein Münzwurf entscheiden musste. Das andere Extrem trat in Unterammergau ein: Da loderte bei der Wehr 2012 Feuer unterm Dach, nach internen Querelen war unter anderem der Kommandanten-Posten vakant. Letztlich griff die Gemeinde nach mehreren Monaten vergeblicher Suche zum letzten Mittel, bestimmte Hubert Spindler zum kommissarischen Ersten Kommandanten und Albert Pfeiffer junior zum Vize. Diese Ultima Ratio sieht das Bayerische Feuerwehrgesetz vor, um die Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden: Innerhalb einer Drei-Monats-Frist muss ein neuer Kommandant gewählt werden. Zieren sich alle, wird das Ehrenamt zum Zwangsposten, die Gemeinde legt dann eine „geeignete Person“ fest.

Wie oft das vorkommt unter den 7700 Freiwilligen Feuerwehren im Freistaat, bleibt im Dunkeln. Nach Angaben von Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands, werden seinem Haus die Fälle nicht gemeldet. „Bayernweit sind große Probleme, Führungskräfte zu finden, aber nicht bekannt.“ Weinzierl spricht von Einzelfällen.

Auch er sieht den Chef ohne Unterstützung auf verlorenem Posten: Mannschaft und Kommune müssten hinter dem Kommandanten stehen, Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden, betont Weinzierl. Was ihm auffällt, ist die rückläufige Verweildauer von Kommandanten oder Kreisbrandmeistern im Amt. Früher waren das bis zu 18 Jahre, heute liege der Schnitt bei etwa 10. Josef Wörner brachte es in Riegsee auf 24. Ein Idealist eben.

Rubriklistenbild: © dpa

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