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Vertreter der Polizei und des TSV Murnau finden die Aktion des Nackt-Sprinters nicht ansatzweise spaßig, der vor wenigen Tagen ein Kinder- und Jugendtraining gestört hatte.

Flitzer im Kindertraining: "Unter der Gürtellinie"

Murnau - Vertreter der Polizei und des TSV Murnau finden die Aktion des Nackt-Sprinters nicht ansatzweise spaßig, der vor wenigen Tagen ein Kinder- und Jugendtraining gestört hatte.

Was dem Flitzer von Murnau Beine machte - darüber kann Joachim Loy nur Mutmaßungen anstellen: „Meiner Einschätzung nach wollten sich die Beteiligten einen Spaß erlauben“, sagt der örtliche Polizei-Chef, der im selben Atemzug betont: „Wir finden ihn gar nicht lustig.“

Dabei denkt Loy vor allem an die Kinder im Alter zwischen acht und elf Jahren sowie an die 14- und 15-jährigen Mädchen, die zur Tatzeit gegen 18.45 Uhr ein Fußball-Training beim TSV Murnau absolvierten. Sie wurden Augenzeugen der blanken Frechheit: Nur mit einer Krawatte um den Hals lief vor wenigen Tagen ein angetrunkener junger Mann (als Tatverdächtigen führt die Polizei einen 18-jährigen Seehauser) über den neuen Kunstrasenplatz an der Poschinger-Allee - fast so, wie Gott ihn schuf.

Der Flitzer, erklärt ein anwesender Jugendtrainer, habe in ein Megaphon geschrieen und mit einer Hand „zum Teil“ sein Gemächt bedeckt. „Ich fand das unmöglich“, sagt der Mann, der anonym bleiben möchte. Er bemerkt seitdem, dass die Aktion, die ihn sehr ärgerte, die kleinen Fußballer noch immer beschäftigt: „Bei einem Spiel am Wochenende fragten mich zwei Kinder, ob denn der Nackerte wieder komme.“ Er sei seit Jahren Jugendtrainer, „aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“.

Der Vorstellung des Nackt-Sprinters wohnten nach Angaben Loys zwei Kumpane bei: ein Murnauer (17), der zuvor ebenfalls dem Alkohol zugesprochen habe, und ein 21 Jahre alter (nüchterner) Murnauer, der den dunkelroten BMW gesteuert habe, in dem das Trio annähernd zur gleichen Zeit wohl auch an der Reschkreuzung sein Unwesen trieb. Eine Zeugin beobachtete, wie ein BMW bei Rotlicht in die Kreuzung einfuhr, offenbar erneut der 18-Jährige auf dem Rücksitz seinen nackten Hintern zeigte und einer der Insassen mit dem Megaphon aus dem Fenster plärrte.

Damit nicht genug: Aus Huglfing bekam Loy einen ähnlichen Fall gemeldet, in dem per Sprachrohr sexuell beleidigende Äußerungen hinausposaunt wurden. Die Polizei kenne die drei betreffenden Burschen, sagt Loy - sie seien „keine unbeschriebenen Blätter“. Die Beamten prüfen eine Anzeige gegen das Trio wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage.

Für Phillip Zoepf steht fest: „Misslungener Jungen-Streich hin oder her - das ist unter der Gürtellinie und eine strafbare Handlung.“ Dies lasse sich nicht wegdiskutieren, betont der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Murnau. Wer zu dieser Uhrzeit zu einem Sportgelände fahre, könne davon ausgehen, „dass sich dort Kinder aufhalten. Diese Nummer geht einfach nicht.“

Das machten auch zwei Jugendtrainer des TSV dem Flitzer und seinen Begleitern klar: „Sie haben die drei Kameraden gestellt“, sagt Zoepf. Die beiden Seiten lieferten sich daraufhin ein heftiges Wortgefecht. Der Nackte habe darum gebeten, ins Auto steigen zu dürfen: „Ihm wurde kalt.“

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