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Caritas-Hilfe: (v.l.) Alexander Huhn, Günther Sponar, Laura Eder (stellvertretende Leiterin Asyl-Sozialberatung) und Dekan Thomas Gröner.

Dem Frust der Helfer entgegenwirken

Flüchtlinge: Erster Ehrenamtskoordinator für den Landkreis

Landkreis - Ein Mann für 400 Helfer: Caritas setzt mit Günter Sponar den ersten landkreisweiten Koordinator zur Unterstützung der Ehrenamtlichen ein. Vorerst für zwölf Monate. 

903 Asylbewerber leben im Landkreis in den Flüchtlingsunterkünften zwischen Mittenwald und Bad Bayersoien. Personal und Fachbetreuer kümmern sich um sie. Aber vor allem sind rund 400 Menschen aktiv: Ehrenamtliche, in Helferkreisen oder einfach in Eigenregie. Doch deren Energie verpufft oftmals. Es fehlen Kontakte und fachkundige Unterstützung. Das will das Caritas-Zentrum Garmisch-Partenkirchen mit Hilfe von Günther Sponar ändern. Der 54-Jährige ist „Ehrenamtskoordinator für Helfer im Flüchtlingsbereich“. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine Premiere. Sponar ist der Erste, der landkreisweit die freiwillige Hilfe bündeln soll.

Seit zwei Monaten sitzt der Sozialpädagoge aus Murnau auf der Stelle, leitete zuvor sieben Jahr lang das Caritas-Mehrgenerationenhaus in seinem Heimatort und war davor bereits in der Asylarbeit tätig. Jetzt wurde er von der Caritas offiziell als Koordinator vorgestellt.

Seine Arbeit tut Not, wie Kreisgeschäftsführer Alexander Huhn feststellt. Sponar würde nicht nur die hauptamtlichen Mitarbeiter in der Asyl-Sozialberatung entlasten. Gerade die Helfer „brauchen professionelle Unterstützung“, sagt der Caritas-Chef. Es sind die alltäglichen Probleme im Umgang mit Flüchtlingen, die so manchen an seine Grenzen stoßen lassen. „Die interkulturellen Unterschiede darf man nicht unterschätzen.“ Dekan Thomas Gröner, Pfarrer in Oberammergau, spricht jedoch von einem beidseitigen Lernprozess. „Auch unsere Ehrenamtlichen müssen lernen, dass nicht alles gefragt ist.“ Koordinator Sponar wird deutlicher: „Man muss die nicht jeden Tag bespaßen.“ Nicht jeder Trommelkurs also stößt bei Asylbewerbern aus Afrika auf Begeisterung. Große Gefahr: Helfer schieben Frust, weil ihre Angebote nicht angenommen werden.

Dem will Sponar entgegenwirken. Auch mit Volkshochschul-Kursen zum Schutz vor Überforderung, wie sie derzeit in Murnau laufen, und die er nach Garmisch-Partenkirchen holen will. Sein Ziel: „Man muss die Ehrenamtlichen bei der Stange halten.“ Das lässt sich die Caritas einiges kosten. Laut Huhn 86 000 Euro für ein Jahr – für Lohn, Sachkosten, Aufwandsentschädigungen für besondere Helfereinsätze. Finanziert wird die Sozialpädagogenstelle zu 100 Prozent von der Erzdiözese München-Freising. Diese stellt Huhn zufolge immerhin fünf Millionen Euro für die Flüchtlingsbetreuung bereit.

Die Stelle am Caritas-Zentrum ist vorerst für zwölf Monate gesichert. Doch der Geschäftsführer hat bereits Signale von Kirchenseite bekommen, „dass es länger läuft“. Das wird der Caritas-Chef sicher unterstützen. Denn die Helfer sind aus seiner Sicht unverzichtbar für die Integration der Flüchtlinge. Egal ob beim Deutschkurs, bei Behördenhilfe oder Fahrdiensten. „Ohne Ehrenamtliche würden wir absaufen.“

Andreas Baar

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