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Niemand weiß, wer kommt: Deshalb sollen in den nächsten Wochen nur bereits registrierte Asylbewerber aus der Bayernkaserne im Abrams untergebracht werden.

Geänderte und verlängerte Belegung

Abrams-Komplex: Flüchtlinge aus Münchner Bayernkaserne ziehen ein

Landkreis - Das Abrams bleibt keine Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge. Aus Sicherheitsbedenken im Zuge der Wintersport-Großveranstaltungen werden dort Asylbewerber aus der Münchner Bayernkaserne untergebracht.

Schon Anfang der Woche hatte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erklärt, dass im Abrams-Komplex in Garmisch-Partenkirchen länger als vorgesehen Flüchtlinge untergebracht werden. Eigentlich sollte das Areal nur bis zum heutigen Freitag von der Regierung von Oberbayern genutzt werden. Diese Frist wurde aber um sechs Wochen bis zum 31. Januar verlängert. Was Speer auf Tagblatt-Anfrage nicht erwähnte, ist eine große Veränderung, die damit verbunden ist. Demnach bleibt das Abrams keine Erstaufnahme-Einrichtung. Unter anderem aus Gründen der Sicherheit.

Letztere „ist enorm wichtig“ betonte Speer im Kreistag. Dort gab er die neuesten Entwicklungen zum Thema Asyl weiter. Dazu gehört ein Belegungswechsel im Abrams, wo nun bis zu 327 Asylbewerber aus der Bayernkaserne in München untergebracht werden. Menschen, die im Gegensatz zu Erstaufnahme-Bewohnern „bereits registriert und voruntersucht sind“.

Die Flüchtlinge sind dann schon im System

Wichtige Faktoren für Speer mit Blick auf Großveranstaltungen wie City-Biathlon und Neujahrs-Skispringen. Denn: Die Flüchtlinge sind dann keine völlig Unbekannten mehr, sondern vom System erfasst. Auf diese Weise erhoffen sich die Verantwortlichen wohl, Risikofaktoren zu minimieren. Speer wollte nicht näher darauf eingehen, betonte aber, „dass der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle spielt“. Hinzu komme, dass sich in der Erstaufnahme-Einrichtung viele ehrenamtliche Helfer um die Ankommenden gekümmert haben. Diese Freiwilligen würden nun bei den Sportveranstaltungen gebraucht. Außerdem habe das Klinikum wegen des Wintersports deutlich weniger Kapazitäten, um Flüchtlinge zu untersuchen.

„Für diesen Kompromiss gab es etliche Gespräche und intensive Beratungen“, erklärte Speer. Wohl wissend, dass der Markt Garmisch-Partenkirchen darüber nicht glücklich ist. Er plant mit dem Abrams selbst bei der Ortsentwicklung. Außerdem monierte Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), dass der Kreisort bislang die meisten Menschen aufgenommen hat. „Die Verteilung ist äußerst ungerecht.“

Derzeit kommen, wie Ausländeramtschef Florian Hibler erklärt, wöchentlich 25 neue Fälle in den Kreis. Die Prognose der Regierung besagt, dass bis zum Jahresende 1419 Asylsuchende zwischen Staffelsee und Karwendel leben werden. Diese Zahl muss Hibler zufolge aber nicht erfüllt werden. Zugesagt ist nämlich, dass über die Feiertage keine neuen Menschen aufgenommen werden müssen.

Turnhallen bleiben frei

Nach wie vor brauchen keine Turnhallen in Beschlag genommen zu werden. Weil immer wieder größere Unterkünfte gefunden werden. Auf diese Weise werde Speer zufolge auch Personal gespart. Im Landratsamt hätten nur 15,5 neue Stellen geschaffen werden müssen. Im Landkreis

Bad Tölz seien es 53 Stellen. „Dort gibt es 128 Unterkünfte.“ Weil bei den Nachbarn die Krise noch größer ist als bei uns, einigte man sich auf einen Deal: So werden 40 Flüchtlinge in Obernach, direkt an der Kreisgrenze, aber auf Wallgauer Flur untergebracht.

Derzeit erfüllt der Kreis die Belegungsquote mit 137 Prozent. Wegen der guten Abläufe hatte Speer ihn als „Insel der Glückseligen“ bezeichnet. Dem widersprach nun sein Amtsvertreter Dr. Michael Rapp (CSU). Er berichtete von einem Integrationskurs, den die Volkshochschule Murnau aus eigenen Mitteln gestartet hat. Rapps Aufruf, der Einrichtung – auch im Kreisort – schnell finanziell unter die Arme zu greifen, führte im Gremium aber zu keinerlei Reaktion.

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