Flugzeug landet sicher auf dem Riegsee

Riegsee - Ein spektakuläres Manöver gelang am Samstag Hilde Huber: Mit ihrem Ultraleichtflugzeug setzte die 32-Jährige sicher und ohne Komplikationen auf dem zugefrorenen See nordöstlich von Murnau auf.

Die Eisstockschützen auf dem Riegsee halten inne: Ein rot-weißes Ultraleichtflugzeug zieht mehrere Schleifen über ihren Köpfen. Noch größere Augen machen sie, als die nur leise summende Maschine tiefer geht und mit ihren Kufen den Pulverschnee aufwirbelt. Doch die Pilotin zieht sie wieder hoch und kreist erneut erneut wie ein Adler über dem zugefrorenen Gewässer. Dann geschieht das Unglaubliche: Das Flugzeug landet auf dem Riegsee.

Einige Wasserwacht-Männer in orangeroten Jacken beobachteten am Samstag das geglückte Manöver von Hilde Huber und heißen sie herzlich willkommen. Unters Empfangskomitee mischte sich auch ein Zuschauer im blauen Anorak: Der bekannte Pilot, Fluglehrer und Flugzeugverkäufer Tom Huber (39), dessen spektakuläre Aktionen, wie am 3. Mai 2008 die Landung auf dem Zugspitzplatt, schon des Öfteren europaweit für Aufsehen gesorgt haben.

Im Cockpit der rot-weißen „Savage Cruiser“ saß seine Frau Hilde (32), die nach der souveränen Landung fröhlich aus der Maschine kletterte. „Wir wohnen seit 2005 zusammen in Riegsee, und natürlich wollten wir immer schon einmal im Winter hier landen“, erzählt Tom Huber, der in Antdorf eine kleine Flugschule betreibt. „Dass es so wunderbar geklappt hat, freut mich ganz besonders, denn ich habe heute Geburtstag.“ Sichere Landungen sind aber nur an wenigen Tagen des Winters möglich, zumal einem oft das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. „Wenn es Spiegeleis gibt, sind zu viele Schlittschuhläufer und Spaziergänger unterwegs, und an anderen Tagen hat das Eis nicht getragen.“

Das Aufsetzen auf dem Riegsee sei sehr einfach gewesen, bekräftigt Hilde Huber. „Es gibt nichts ebeneres als eine gefrorene Wasserfläche. Man hat freien An- und Abflug und jede Menge Platz.“ Gleichwohl habe sie zuvor genau geschaut, ob sich irgendwo Löcher im Eis befänden, womit sich ihre geflogenen Schleifen erklärte.

„Wir haben das alles genau mit der Wasserwacht Hofheim-Riegsee abgesprochen, die zuvor die Dicke des Eises gemessen hat“, unterstreicht ihr Mann. Bereits einmal gelang die Landung auf dem Riegsee – und zwar 2006.

Das Flugzeug, das aus tschechischer Produktion stammt, ist nach Hubers Worten nur knapp 300 Kilogramm schwer und verfügt über elektrisch verstellbare Skier an den Rädern, um sowohl auf Asphalt als auf Schnee landen zu können. Die Maschine wird von einem 100-PS starken Boxermotor angetrieben und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern.

Damit die zwei an diesem Nachmittag vollzogenen Landungen und Starts sicher vonstatten gingen, waren die Wasserwacht-Helfer mit neun Mann und einem Eisrettungsschlitten vor Ort. „Tom Huber hat mich angerufen, und gebeten, ihm bei der Genehmigung für die Landungen zu helfen“, sagt Ortsgruppenleiter Klaus Neuner. „Am Freitag haben wir die Genehmigung vom Luftamt Süd erhalten. Darum waren kaum Zuschauer da, und die Maschine ist so leise, dass kaum jemand im Dorf das Flugzeug bemerkt hat.“

Seine rund zwei Dutzend Gäste bewirtete Tom Huber an einem Würstlstand auf dem Eis, bevor er sich selbst ins Cockpit setzte und einige Runden über dem Riegsee drehte. Sein spektakulärster Coup liegt über zwei Jahre zurück. So landete er 2007 auf dem Militärflughafen von Fürstenfeldbruck mit einem Ultraleicht-Flugzeug auf dem Aluminiumdach eines fahrenden Lasters, der von seiner Frau gelenkt wurde. Abenteuer gehören im Leben des Riegseer Ehepaares eben einfach dazu.

Heino Herpen

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