Von wegen alter Schnee: Auf den Grundstücken der Gemeinde soll Neues entstehen. Das Konzept des Vereins VEHBL könnte die Grundlage für die Planungen bilden. foto: Archiv

Förderpreis: 100 000 Euro für Verein

Garmisch-Partenkirchen - Der Verein VEHBL hat für seinen Entwurf zum Viertel an der Krankenhausstraße einen bundesweiten Wettbewerb gewonnen – und 100 000 Euro. Die Vorsitzende Ursula Höger sieht damit eine riesige Chance.

Der bundesweite Wettbewerb „Wohnen für Mehr(Generationen) – Gemeinschaft stärken, Quartier beleben“ möchte Programme und Projekte fördern, die Bürger ins Leben gerufen haben und die helfen, dass sich die Vertreter unterschiedlicher Generationen unterstützen. Als Kriterien für diese Förderung nennt das Bundesfamilienministerium, das den Preis ausgelobt hat, „eine gute und zentrale Lage, die Schaffung von Barrierefreiheit, ein überzeugendes Nutzungs- und Organisationskonzept und eine Kooperation mit Vereinen und Organisationen der Umgebung“.

Für Ursula Höger, die Vorsitzende des Vereins zum Erhalt der historischen Bau- und Landschaftsstruktur (VEHBL) in Garmisch-Partenkirchen, steht fest: „Das passt genau zu unserem Konzept.“ Das hat wohl auch das Ministerium so bewertet: Es sprach dem Verein den Preis zu: zweckgebunden 100 000 Euro. Neben dem Verein erhalten bundesweit 29 weitere Projekte staatliche Unterstützung in dieser Höhe. Initiiert hatte die Teilnahme im Sommer vergangenen Jahres der damalige zweite Vorsitzende Karl Maurer.

Das Konzept von VEHBL sieht vor, die historischen Gebäude Stierhaltung sowie Armenhaus an der Höllentalstraße zu erhalten und zu sanieren. Dazu sollen im Viertel zwischen Garten-, Höllental-, Klamm- und St.-Martin-Straße ein Angebot für Mehrgenerationenwohnen und ein Genossenschaftsprojekt geschaffen werden. „Ziel ist es, mit einem anspruchsvollen architektonischen Miteinander aus Alt und Neu ein lebendiges Quartier für Menschen jeden Alters zu schaffen – und kein weiteres anonymes Zentrum für hochpreisigen Tourismus“, betont Höger. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und werden uns nun ganz konkret für die Realisierung unseres Konzeptes einsetzen“, kündigt sie an. „Wir haben die große Chance, ein einmaliges Projekt ins Leben zu rufen.“

Die Förderung bedeutet indessen nicht, dass der Entwurf von VEHBL eins zu eins umgesetzt werde. Wunsch des Vereins sei aber schon, dass auf dieser Grundlage mit den Ideen der Bürgern offen weitergeplant werde. „Das muss ein transparenter Planungsprozess werden.“

Bürgermeister Thomas Schmid (CSB), der VEHBL bereits zu dem „großartigen Erfolg“ gratuliert hat, pflichtet ihr bei. „Wir wären sauer gewesen, die Kommune gezwungen gewesen wäre, die Bürgerbeteiligung auszuhebeln und jetzt dieses Modell umzusetzen.“ Immerhin hätten sich alle Vereine und Einzelpersonen, die im vergangenen Jahr Entwürfe eingereicht hatten, viele Gedanken gemacht. Und die Grundstücke gehören dem Markt. Dass dort ein Wohn- und ein Mehrgenerationenprojekt Platz finden sollen, sei fast allen Entwürfen gemein gewesen.

Der Bürgermeister kündigt an, dass die Gemeinde den Sanierungsbedarf klären wolle. Dazu habe sie einen Auftrag erteilt. VEHBL will derweil auf breiter Basis die Bürger befragen, welche Bedürfnisse und Wünsche sie für die Grundstücke haben. Bei einem Bürgerentscheid im November 2008 hatte ein große Mehrheit der Wähler die Pläne für den Neubau eines Hotels gestoppt. Rund 13 Monate später scheiterte ein zweiter Bürgerentscheid, der das Viertel erhalten und den Kindergarten sowie die sozialen Einrichtungen dort ausbauen wollte.

Am Ende des Prozesses, darauf pocht VEHBL, soll ein Qualitätswettbewerb unter Städteplanern ausgeschrieben werden. „Nur so erreichen wir nicht irgendein, sondern das beste Ergebnis für das Viertel und für Garmisch-Partenkirchen.“ Zum Besten sollen auch die 100 000 Euro beitragen – wie konkret, das ist derzeit allerdings offen.

Matthias Holzapfel

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