„Jeder ist für sein Eigentum verantwortlich“Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

Friedhofsruhe: Das lange Sterben des Schneiderhofs

Krün - Seit dem 18. Jahrhundert ist er stummer Zeuge der Krüner Ortsgeschichte: der Schneiderhof. Seit einiger Zeit verfällt das Anwesen zusehends. Nun bittet die Eigentümerin um Hilfe.

Das Plakat auf dem Balkon an der Nordseite liest sich wie eine Anklageschrift: „Ich, der Schneiderhof, erbaut im 18. Jahrhundert. 250 Jahre habe ich die Geschichte des Dorfes erlebt, heute stehe ich unter Denkmalschutz. Gerne wollte ich als Museum oder dergleichen kostenlos zur Verfügung stehen, aber die Gemeinde wollte mich nicht haben! Jetzt bin ich eingezäunt, denn wenn meine Kräfte nachlassen, soll keiner zu Schaden kommen.“

Schon viele Passanten blieben unvermittelt stehen, lasen die Zeilen und gingen nicht selten nachdenklich weiter. Verfasst hat sie keine Unbekannte in Krün: Christl Wurmer. Von 2002 bis 2008 saß die heute 46-Jährige für die CSU im Gemeinderat. „Es ist mein Herzenswunsch, dass in den Schneiderhof wieder Leben einkehrt und alle etwas davon haben.“ Dabei sind es keineswegs nur die schönen Erinnerungen, die Wurmer zu der unkonventionellen Maßnahme verleitet haben. Der Zahn der Zeit nagt an dem Bauernhof ihres im Oktober 2006 verstorbenen Onkels Sepp Simon. Eine Sanierung käme seine Nichte sehr teuer. „Der Dachstuhl müsste auf alle Fälle erneuert werden, aber an anderen Stellen fehlt’s genauso.“

Wenige Monate vor dem Tod des Onkels stand das Vieh noch im Stall. Seitdem herrscht gespenstische Ruhe beim Schneiderbauern. Dabei war gerade die Stube samt Kachelofen, Kassetten-Decke, Dielenboden und Küchen-Büffett seinerzeit beliebter Treffpunkt der Krüner Honoratioren. Lange ist’s her: Jetzt kämpft die Nichte um das denkmalgeschützte Erbe ihres Onkels Sepp. Aus diesem Grund hat Christl Wurmer bereits im März 2009 einen Brief geschrieben. Dabei bittet sie, „die Gemeinde zu prüfen, ob ihrerseits ein Interesse daran besteht, dieses Gebäude zu erhalten und zu nutzen“. Beispielsweise könnte die Tenne zu Theater- und Musikzwecken ausgebaut oder der gesamte Komplex in ein Heimatmuseum umgewandelt werden.

Gute Ideen, die im Rathaus auf taube Ohren stießen. „Derzeit sehen wir aus finanziellen Gründen keine Möglichkeit zur Entwicklung des Gebäudes“, wurde Wurmer im Mai 2009 mitgeteilt. Gegenüber dem Tagblatt ging Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) gestern nochmals ins Detail. „Das Problem ist, dass ein Verkauf von Seiten der Familie Wurmer nicht zur Debatte steht.“ Und warum solle eine Gemeinde mit öffentlichen Geldern in ein privates Anwesen investieren? „Jeder ist für sein Eigentum verantwortlich“, betont der Rathauschef.

Christl Wurmer wiederum beteuert: „Im Kontakt mit der Gemeinde ging es bisher nicht um den Verkauf.“ Lediglich ein einziger Gemeinderat hätte sich mit ihr per Telefon in Verbindung gesetzt und die Vorschläge als gut befunden. Auch verweist sie Horror-Meldungen, wonach eine Generalsanierung die Millionen-Euro-Grenze deutlich durchbrechen würde, ins Reich der Fabel. Gleichzeitig berichtet Wurmer von Interessenten, die in das Projekt investieren würden. „Aber niemand weiß, wie lange es dauert, bis Entscheidungen oder konkrete Maßnahmen getroffen werden können.“

Auch interessant

Kommentare