Friedlicher Protest gegen Neonazis

Murnau - Murnau kann aufatmen: Bei einem Aufmarsch von rund 80 Neonazis am Samstag im Ortszentrum kam es zu keinen Zwischenfällen. Es wurde niemand verletzt.

Die Polizeipräsenz war gewaltig, Murnau glich am Samstagnachmittag einer Hochsicherheitszone. 350 Polizisten waren im Einsatz. Bereits an den Zufahrtsstraßen wurde kontrolliert. Den örtlichen Beamten standen Kräfte der Bereitschafts- und Bundespolizei zur Seite. Die Befürchtung, dass es zwischen Anhängern der rechts- und linksextremen Szene zu gewalttätigen Ausschreitungen und zu Straßenblockaden kommen könnte, war im Vorfeld der Veranstaltung sehr groß. Doch es blieb friedlich. Der zweistündige Aufmarsch und die Kundgebung der rechtsradikalen Gruppe im Ortszentrum verlief laut Polizei "ohne nennenswerte Sicherheitsstörungen".

Die meisten Murnauer waren dem Appell des "Werdenfelser Bündnisses gegen Rechts" und der Gemeinderatsfraktionen gefolgt und blieben während des Neonazi-Aufmarsches dem Ortskern fern. "Das demonstrativ geringe Interesse der Bevölkerung an dem rechten Umzug erleichterte letztlich das polizeiliche Vorgehen. Insoweit ging die Strategie des Marktes im sicherheitspolizeilichen Sinne auf", resümiert Polizeidirektor Günter Hackenberg.

Vor allem im südlichen Bereich der Fußgängerzone hatten sich protestierende Gruppen eingefunden, darunter auch 70 Punker. Während der Neonazi-Kundgebung vor dem Rathaus, die von Polizeikräften abgeschirmt wurde, brach ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert aus. Die Demonstranten schrien lautstark "Nazis raus" und hoben Transparente in die Höhe, auf denen etwa stand: "Murnau sagt Nein zu Neonazis".

Die Formen des Protests waren vielfältig: Einige Passanten drehten sich beispielsweise demonstrativ um, als an ihnen die Rechtsradikalen vorbeizogen. Einige verteilten Friedensfahnen oder weiße Rosen - in Anspielung an die Widerstandsbewegung im Dritten Reich. Nach dem Neonazi-Aufmarsch fand mit Vertretern der Politik und rund 350 Teilnehmern eine große "Kehraktion" statt. Dabei wurde der "braune Dreck" symbolisch aus dem Markt gefegt.

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