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Eine Kunden-befreite Fußgängerzone im Ortsteil Garmisch erwartet der Einzelhandel während des G7-Gipfel.

Nur wenige Profiteure

G7-Gipfel 2015: Hoteliers und Versicherungen verdienen

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Garmisch-Partenkirchen - Außer den heimischen Hoteliers und den Versicherungen wird am G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau kaum jemand verdienen.

Wenn Angela Merkel, Barack Obama und Co. Anfang Juni auf dem G7-Gipfel in Schloss Elmau Weltpolitik machen, wird Garmisch-Partenkirchen aus allen Nähten platzen. Rund 5000 Journalisten bauen dann ihre Arbeitsplätze im Eissportzentrum auf, und auch von den 15 000 Sicherheitskräften werden viele in der Marktgemeinde untergebracht. Dennoch sind sich Ladenbesitzer, Unternehmer und Politiker einig: Außer den Hoteliers wird an dem Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben führender Industrienationen kaum jemand verdienen. Die Hoffnungen ruhen auf dem touristischen Werbeeffekt.

„Die Erfahrungen aus Heiligendamm haben gezeigt, dass der Einzelhandel eher mit problematischen Tagen rechnen muss. Die Region ist mit Journalisten und Politikern bestückt, die arbeiten müssen – aber kaum Zeit haben, um durch die Fußgängerzone zu flanieren“, erklärt Wirtschaftsreferent Claus Gefrörer (CSU). Die Werbegemeinschaft Garmisch-Partenkirchen rechnet ebenfalls mit Umsatzeinbußen: „Wir nehmen an, dass wir einsam sein werden“, sagt die Vorsitzende Michaela Nelhiebel.

Auch der G7-Gipfel selbst, mit benötigten Dienstleistungen von der Versorgung bis zur Entsorgung, wird nach Einschätzung des Gewerbeverbands kaum Impulse bringen. „Das große Geld wird von unseren örtlichen Mittelständlern nicht gemacht“, ist der Vorsitzende Florian Möckl überzeugt. Die Organisation des Gipfels liege in den Händen eines Berliner Unternehmens. „Wir haben das Gefühl, dass die größten Stücke des Kuchens schon verteilt sind, bevor man eine Chance hat, etwas zu ergattern.“

G7-Gipfel 2015: Wohl kein großer Umsatzschub in der Gastronomie

Auch in der Gastronomie dürfte es keinen großen Umsatzschub geben, da die Stäbe der Politiker ebenso wie Journalisten und Sicherheitskräfte mit Essen und Trinken versorgt werden. Das Catering der Medienleute aus aller Herren Länder liegt in den Händen der Münchner Firma Dallmayr und der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), größter Gastronomiebetrieb des Oberlands. Bei der Hotellerie sieht es hingegen anders aus: „Es wird eine sehr gute Auslastung sein, davon bin ich überzeugt“, betont Tourismusdirektor Peter Ries.

Noch mehr dürfte man sich in Garmisch-Partenkirchen über die kostenlose Werbung freuen; der Tourismus ist eines der wichtigsten Standbeine der örtlichen Wirtschaft. „Wir erhoffen uns, dass die Medien im Rahmen der Berichterstattung die gesamte Urlaubsregion um die Zugspitze erwähnen und ins Bild nehmen“, sagt etwa Gefrörer. Bislang wird die Region vorrangig als Winterdestination wahrgenommen – der G7-Gipfel soll sie nun auch als lohnendes Ziel für einen Sommerurlaub bekanntmachen. Es sind schöne Bilder, die die Touristiker transportieren wollen. Bilder von Krawallen, von steinewerfenden Demonstranten und prügelnden Polizisten wären hingegen eine Katastrophe.

Dennoch gibt es sogar einen Wirtschaftszweig, der von der Angst vor Ausschreitungen profitiert. „Viele, die Häuser besitzen, haben eine Versicherung gegen innere Unruhen abgeschlossen“, sagt Nelhiebel. „Auch Privatleute, die in der erwarteten Demonstrationsgegend wohnen, denn viele Leute haben an ihren Häusern ja schöne Gemälde.“ Solche Fassadenmalereien zu restaurieren, ist im Fall der Fälle deutlich teurer, als Farbbeutel- Kleckse weiß zu übertünchen. Die Bayerische Versicherungskammer bietet mittlerweile eine Police für einen Monat an, der eine Schadenssumme bis 250 000 Euro abdeckt.

Im Bankenviertel von Garmisch- Partenkirchen, der Bahnhofstraße, wo innerhalb von 100 Metern die Kreissparkasse, die Deutsche Bank, die Sparda-Bank und die VRBank ihre Geschäfte betreiben, bleibt man einigermaßen gelassen. „Nach einem Gespräch mit der Polizei haben wir uns entschlossen, unsere großen Schaufenster nicht zu verbrettern“, sagt Georg Fink, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse. Die anderen Geldhäuser werden ebenso verfahren. „Das ist Konsens“, erklärt Fink.

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Von Elke Richter und Peter Reinbold

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