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Der Täter vergreift sich an einem Kind (Symbolbild).

Verhandlung am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen

Kinder sexuell missbraucht: Mann (57) zu Bewährungsstrafe verurteilt

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ist ein 57-jähriger Mann am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Er zeigte sich reumütig.

Garmisch-Partenkirchen –Sein umfassendes Geständnis, seine ehrliche Reue und die einsichtigen Entschuldigungen des Angeklagten waren es wohl, die das Schöffengericht zu einem milden Urteil kommen ließ. Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ist ein 57-jähriger Mann am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Nachdem Staatsanwältin Jana Felker-Zech, die zuvor ein Jahr und neun Monate gefordert hatte, und die Verteidigung das Urteil akzeptierten, ist es rechtskräftig.

„Ich bin fest entschlossen, die Krankheit zu besiegen“, sagte der Mann, der im nördlichen Landkreis wohnt und seit gut einem Jahr eine Psychotherapie macht. Er schäme sich jeden Tag, wenn er in den Spiegel schaue, er bedauere seine Taten zutiefst. Der Angeklagte gab zu, zwei Mädchen in seiner Wohnung unsittlich berührt und fotografiert zu haben. Darüber hinaus räumte er ein, eine externe Festplatte mit rund 1700 Bilder und Videos kinderpornografischen Inhalts eingerichtet zu haben. „Hinter jedem Bild steckt eine zerstörte Kindheit“, hielt ihm Richter Dr. Benjamin Lenhart vor. Der Angeklagte schwieg.

Erst als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, erkannte der Mann im persönlichen Gespräch mit einem Beamten, dass er krank, dass er pädophil ist. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, welches Leid in den Bildern stecke und dass es strafbar ist, die kinderpornografische Fotos herunterzuladen. „Es ist wie eine Sucht geworden. Was gibt es im Internet noch alles?“ – diesen Gedanken trug er jeden Tag mit sich. Lenhart hakte nach: „Das, was sie sich da angeschaut haben, ist allerhärteste Kinderpornografie. Vergewaltigung von Kleinkindern.“ Der Richter wollte wissen, ob sich der Angeklagte Bilder im Darknet zugelegt oder für die Fotos bezahlt habe. Der 57-Jährige verneinte: „Ich habe mir nie was gekauft oder anderweitig besorgt.“ Anschließend versammelten sich Richter, Schöffen, Staatsanwältin und Verteidigerin, um sich die heruntergeladenen Kinderporno-Bilder anzusehen. Der Angeklagte wollte sich den Anblick ersparen, er kehrte zurück in seinen Sitz.

Einen Großteil der mehr als vierstündigen Verhandlung nahm der Missbrauch an zwei Mädchen in Anspruch. Im ersten Fall ging es um ein Nachbarsmädchen, das mit ihrem jüngeren Bruder immer wieder und über Jahre hinweg beim Angeklagten zu Besuch war. Er habe mit den Kindern „Mensch, ärgere Dich nicht“ gespielt, Süßigkeiten verteilt und manchmal auf die Geschwister aufgepasst, berichtete der Mann. In der Beziehung zwischen der dann Zwölfjährigen und ihm habe es eine Entwicklung gegeben. Er gestand, sich in das Nachbarsmädchen verliebt zu haben, schrieb ihr Briefe und wurde eifersüchtig, als er mitbekam, dass sie sich mit einem jugendlichen Buben traf.

Der Richter traf den Nagel auf den Kopf: „Sie haben sich verhalten wie ein liebestoller Jüngling. Sie haben ihre sexuellen Sehnsüchte und Fantasien auf das Mädchen projiziert. Da fängt Missbrauch an“, warf er dem Angeklagten vor, der zusehends in sich zusammen sank. Der strafbare Vorfall ereignete sich am 15. Juli 2018: Am Küchentisch sitzend, fasste der 57-Jährige dem Mädchen an die Brust. Zudem zog er ihren Badeanzug nach unten und machte Fotos des unbekleideten Oberkörpers. Erschwerend komme hinzu, dass der Mann in diesem Fall eine Vertrauensstellung missbraucht habe, sagte Lenhart.

Das zweite Mädchen leidet wegen eines Gendefekts an einer Intelligenzminderung. Der Richter warf dem Angeklagten vor, diese Behinderung ausgenutzt zu haben. Die Betroffene ging an einem Sommerabend 2018 freiwillig zu ihm ins Haus und verlangte ein Eis. Als sich die 13-Jährige bekleckerte, wollte er den Fleck mit dem Lappen entfernen. „Da hab ich diese dumme Idee gehabt“, erklärte der Angeklagte. Er streichelte das Mädchen am Busen und machte Fotos der entblößten Brüste mit der Digitalkamera.

„Als am nächsten Tag die Türe aufgeht und die Kriminalpolizei dasteht, hat es mir die Füße unter dem Boden weggezogen“, gestand der Mann, der nach dem Tod seiner Mutter 2012 alleine lebt. Neben seiner Reue und der Einsicht, dass er krank ist, hielt ihm das Gericht zugute, dass er den Täter-Opfer-Ausgleich initiierte. So zahlte er den Eltern der 13-Jährigen 2000 Euro. Auch die andere Familie soll finanziell unterstützt werden. Er meidet jeglichen Kontakt zu den Mädchen. „Wir gehen davon aus, dass es nicht nötig ist, den Angeklagten ins Gefängnis zu stecken“, begründete Lenhart das Urteil. 

In einem weiteren Punkt wurde der Angeklagte nicht belangt. Bei ihm wurden Waffen und Munition gefunden. So waren unter anderem der Wehrmachtskarabiner des Opas, Flak-Patronen und Explosionsstoffe aufgetaucht. Das Strafverfahren wurde eingestellt, Waffen und Sprengstoff vernichtet.

Alexander Kraus

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