Fordert mehr Sicherheit am Eschenloher Bahnhof: Familienvater Michael Friedel. Hier steht er vor der verschlossenen Schranke des Bahnübergangs. Foto: Her

Gefährliches Durcheinander am Bahnhof

Eschenlohe - Eschenloher Eltern schlagen Alarm: Am Bahnhof der Loisach-Gemeinde entstehen ihrer Meinung nach lebensgefährliche Situationen.

Es gebe keine klare Regelung, auf welchen Gleisen die Züge ein- und ausfahren, lautet der zentrale Vorwurf. Kurzfristige Änderungen würden nicht bekannt gegeben. Dies führe immer wieder dazu, dass Fahrgäste, darunter viele Schüler, über die Gleisanlagen laufen.

Der ehemalige Eschenloher Gemeinderat Michael Friedel spricht von einer „unlogischen Einteilung“, die zu „Chaos“ und einer erhöhten Unfallgefahr führe. Er fordert die Deutsche Bahn auf, mit klaren Regelungen für mehr Sicherheit zu sorgen. Friedel: „Es muss nicht erst was passieren, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird.“ Er schlägt vor, dass auf Gleis 1 generell nur die Züge nach München und auf Gleis 2 nur die nach Garmisch-Partenkirchen stehen. Dann gebe es keine „Irritationen“ mehr. „Das Hauptproblem ist, dass der Bahnhof unbesetzt ist. Niemand kann steuernd eingreifen“, fügt Friedel hinzu.

Der jüngste Fall, der zu Verwirrungen und brenzligen Situationen führte, ereignete sich laut Friedel am vergangenen Montagmorgen, als viele Eschenloher Schüler mit dem Zug nach Garmisch-Partenkirchen wollten. Darunter befanden sich auch Friedels elfjähriger Sohn und 13-jährige Tochter. Aufgrund einer „außerplanmäßigen Kreuzung“ sei der Zug in Richtung Kreisort nicht wie üblich auf Gleis 1, sondern auf Gleis 2 eingefahren, berichtet der Vater. Auf Gleis 1 stoppte stattdessen der Zug nach München. Die Schüler hätten keine Durchsage über diese Änderung mitbekommen. Ein Teil der Kinder sei durch den Münchner Zug hindurch über die Gleisanlage zu ihrem Schulzug gelangt, sagt Friedel – eine höchst gefährliche Aktion. Nicht vorstellbar, was alles passieren kann, wenn sich Kinder zwischen Zügen aufhalten, die sich plötzlich in Bewegung setzen.

Eine weitere Schülergruppe sei von einem Schaffner daran gehindert worden, so Friedel, die unvernünftige Kletteraktion ihrer Kameraden nachzumachen. Die Mädchen und Buben verhielten sich korrekt, warteten ab, bis sich die Schranke am Bahnübergang wieder öffnete, gingen auf die andere Seite der Bahnanlage zum Gleis 2 – und erlebten, wie der Zug vor ihnen davon fuhr. Die Folge: Sie kamen zu spät zur Schule.

„Das ist ein Unding“, beschwert sich Friedels Frau Elke, die Vorsitzende des Elternbeirats des St.-Irmengard-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen ist. „Das war nicht das erste Mal. Das kam schon öfters vor“, erklärt die Mutter. Mehrere Eltern beklagten die Situation am Eschenloher Bahnhof. Sie selbst habe es kurz vor Weihnachten auch erlebt, dass der Zug entgegen des Fahrplans überraschend auf dem anderen Gleis einfuhr.

Bei der Deutschen Bahn hält man sich mit einer Stellungnahme zurück. Der Fall werde geprüft, teilte gestern die Pressestelle des Unternehmes mit.

Aktiv geworden ist indessen die Bundespolizei, die für die Sicherheit an Bahnhöfen zuständig ist. Die Vorkommnisse am vergangenen Montag seien nach ersten Ermittlungen ein „Einzelfall“ gewesen, erklärt Ernst Peter, Sprecher der Bundespolizei in Rosenheim. Man werde aber die Sache weiter verfolgen und Kontakt mit der Deutschen Bahn aufnehmen. Peter weist darauf hin, dass das Betreten der Gleisanlagen grundsätzlich verboten ist.

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