Geigenbaumuseum Mittenwald: Fochts Albtraum vor der Regionalliga

Mittenwald - Mittenwald sucht fürs Geigenbaumuseum einen neuen Leiter ­- als Teilzeitkraft. Ein Unding, findet der ehemalige Vordenker Dr. Josef Focht.

Er befürchtet nun einen massiven Qualitätsverlust des Kleinods. Dreieinhalb Jahre, von Mitte 2003 bis Ende 2006, galt Dr. Focht als die unbestrittene Nummer eins, wenn es um die Konzeption des neugestalteten Geigenbaumuseums ging. Wegen des promovierten Musikwissenschaftlers booteten die Verantwortlichen im Rathaus sogar den alteingesessenen Künstler Stephan Pfeffer aus. Mit Fleiß und Akribie trieb Focht die 850 000 Euro teure Modernisierung der heruntergekommenen Einrichtung in der Ballenhausgasse voran.

Kurz vor Weihnachten 2006 dann der große Knall. Der Kontrakt mit dem ehrgeizigen Akademiker wurde nicht mehr verlängert. Wegen eines künftigen Konzepts rumorte es schon lange. Focht, der sich inzwischen ­ ohne Gericht ­ mit der Gemeinde geeinigt hat, möchte zu dieser Trennung mit Nebengeräuschen nichts mehr sagen. Nur soviel: "Unser Konflikt, der sich nicht um inhaltliche, sondern formale Dinge entzündete, ist beigelegt."

Schwamm drüber ­ das gilt allerdings nicht, wenn Focht, dem das Geigenbaumuseum trotz seines Rauswurfs "immer noch sehr am Herzen liegt", die aktuellen Inserate in der Lokalpresse liest. Da suche die Kommune doch tatsächlich eine Halbtagskraft als Museumsleiter, staunt der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität. Bewerbungen können bis 5. Februar im Rathaus eingereicht werden.

Die Anzeige, die er eigentlich gerne deutschlandweit in einschlägigen Zeitschriften lesen würde, empfindet Focht als regelrechten Tiefschlag. "Offenbar wird der Billigste und nicht der Kompetenteste gesucht." Dabei gebe es im Geigenbaumuseum noch so viel zu tun. "Denn wir haben noch keinen Platz in der Museumslandschaft gefunden, das Image ist noch nicht gefestigt." Nun laufe man Gefahr, in der öffentlichen Wahrnehmung als eines von 1200 Heimatmuseen unterzugehen. "Dabei müssten wir raus aus der Regionalliga und rein in die Champions League." Focht ist der felsenfesten Überzeugung, dass man mit dem einzigartigen Mittenwalder Geigenbau und seiner professionellen Präsentation und Vermarktung richtig Geld verdienen kann ­ ähnlich wie die Salzburger mit ihren expandierenden Festspielen. Aber das erfordere Zeit, Geld und politischen Willen.

Der Musikwissenschaftler fragt sich nun, warum die Kommune überhaupt 450 000 Euro investiert hat, wenn das Projekt "Geigenbaumuseum" nun mit einer Teilzeitkraft geschaukelt werden soll. Dabei, so Focht, hätten die Mittenwalder so ein tolles Alleinstellungsmerkmal. "Und das verschenken sie jetzt."

Sein ehemaliger Partner, Bürgermeister Hermann Salminger, gibt sich in dieser Angelegenheit betont kleinsilbig. "Dr. Focht braucht keine Angst haben." Der Wille, das Museum zielgerichtet fortzuführen, bestehe. "Und vielleicht schalten wir ja noch eine Anzeige in einer Fachzeitschrift."

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