Michael Wiesener von den Freien Wählern kritisiert das Verbot. Foto: roy

Gemeinde verbietet Solaranlagen

Murnau - Für Kritik sorgt derzeit eine Angelegenheit, die den Murnauer Kemmelpark betrifft. Dort verbietet die Gemeinde Hauseigentümern, auf dem Dach solarthermische Anlagen zu installieren.

2007 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne eine neue Hackschnitzelanlage gebaut. Sie deckt über Fernwärmeleitungen rund 80 Prozent des Jahresenergiebedarfs. Die bestehende Öl-/Gas-Heizanlage wird bei eisigen Temperaturen für die Spitzenlast benutzt. Für den, der sich im Kemmelpark ansiedelt, besteht Anschlusszwang. Das Hackschnitzel-Werk ist allerdings bis dato noch nicht ausgelastet. Pro Jahr verbuchen die Gemeindewerke ein Defizit von 70 000 Euro. Wenn nun jemand auf seinem Dach eine solarthermische Anlage anbringen will, um etwa Brauchwasser für die Dusche zu erhitzen, darf er das nicht.

Gemeindewerks-Leiter Wilhelm Müller erklärt, dass die Hackschnitzelanlage „hochökologisch“ sei und man sie auch ökonomisch betreiben wolle. „Wenn wir jedem frei lassen, seine eigene Heizung zu bauen, kann es jedoch nie wirtschaftlich sein." In einer privatrechtlichen Vereinbarung mit der Gemeinde verpflichtet sich der Grundstückskäufer dazu, keine Solarthermie-Anlage zu installieren. Lediglich Kachelöfen sind erlaubt. Photovoltaik-Module zur Stromerzeugung sind ebenfalls zugelassen.

Nach Auffassung von Umweltreferent Michael Wiesener (Freie Wähler) ist die Biomasseheizanlage zwar eine „hervorragende Sache“ und habe „Vorbildcharakter“. Allerdings glaube er nicht, dass es richtig beziehungsweise rechtens sei, den Abnehmern die Erwärmung ihres Brauchwassers durch Solarthermie zu verbieten. „Die Problematik für die Gemeinde ist der Zwiespalt zwischen Ökologie und Ökonomie“, fährt Wiesener fort. „Für den Fall, dass viele Wärmeabnehmer im Sommer ihr Brauchwasser mit Solarthermie erzeugen würden, könnte das Hackschnitzelheizwerk unter Umständen nicht durchgehend betrieben werden. Dies würde im Folgeschluss bedeuten, dass während dieser Periode mit Gas und Öl geheizt werden müsste. Dies ist der Grund, warum ein Installationsverbot vom überwiegenden Teil des Gemeinderats ausgesprochen wurde. Ich halte diesen Beschluss für ein falsches Signal, denn Solarenergie ist mit Abstand immer noch die umweltfreundlichste Energie.“

Wiesener geht sogar noch einen Schritt weiter. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Verbot vor einem Gericht bestand hätte, sollte es jemand anfechten. Es kann ja nicht das Problem der Bürger sein, die in diesem Areal zum Anschluss gezwungen werden, dass man ihnen ihr ökologisches Handeln aufgrund ökonomischer Vorteile für die Gemeinde verbietet.“

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