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Gemeinden kehren Euregio den Rücken

Murnau - Der Nordlandkreis droht sich zum weißen Fleck auf der Euregio-Landkarte zu entwickeln. Nach Seehausen und Uffing hat auch Ohlstadt die Mitgliedschaft gekündigt.

Der Euregio Zugspitze-Wetterstein-Karwendel könnte langsam ein ganzes Gebiet wegbröckeln. Ab 2011 werden aus der Region um den Staffelsee nur noch die Gemeinden Murnau und Spatzenhausen der deutsch-österreichischen kommunalen Arbeitsgemeinschaft angehören.

Seehausen habe „bereits vor einiger Zeit gekündigt“, bestätigt Euregio-Geschäftsführer Martin Kriner. Ende Juni beschloss der Uffinger Gemeinderat einstimmig den Austritt zum Jahresende. Tenor: Die Kosten stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen; momentan zahlt Uffing rund 900 Euro Beitrag pro Jahr. Und auch der Gemeinderat Ohlstadt entschloss sich in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich zu diesem Schritt, der zum Jahresende vollzogen wird. „Wir sind der neuen Kreisentwicklungsgesellschaft beigetreten, auf die wollen wir uns konzentrieren“, erklärt Bürgermeister Anton Fischer (NLO). Ohlstadt habe knapp 1000 Euro jährlich für die Euregio-Mitgliedschaft bezahlt, aber „nicht viel Nutzen gehabt. Vielleicht sind wir zu weit von der Grenze weg.“

Momentan gehören noch 17 der 22 Kreis-Gemeinden der Euregio an. Riegsee kehrte dem Zusammenschluss bereits vor längerer Zeit den Rücken; Eschenlohe, Saulgrub, Schwaigen und Großweil waren nach Angaben von Kriner nie Mitglieder. Einen Trend zum Austritt erkennt der Geschäftsführer nicht, „ganz klar nein. Es geht hier um einzelne Gemeinden, die keine Zuschüsse haben wollen.“ Das seien Entscheidungen, die so akzeptiert werden müssten. „Ich sehe das momentan nicht tragisch.“

Kriner vermag nachzuvollziehen, dass sich die Verantwortlichen in den einzelnen Orten „die Kosten anschauen“ - 30 Cent werden pro Einwohner und Jahr fällig -, lässt aber das Argument der fehlenden Profitabilität nicht gelten. „Die Fördergelder sind da, die Gemeinden müssen sie nur abgreifen, sich darum kümmern.“

Natürlich braucht es dazu Ideen. Zudem haben die Antragsteller Arbeit zu investieren, wenn sie bei ihrem Projekt, das von grenzübergreifendem Charakter sein muss, aus dem speziellen EU-Fördertopf bedient werden wollen. „Aber sie ziehen mit Sicherheit Nutzen daraus“, stellt Kriner klar. Diesen wähnt er nicht auf singuläre Kommunen beschränkt. „Ich sehe das Kollektiv; es ist so viel gemacht worden in den vergangenen Jahren, dass die ganze Region aufgewertet worden ist. Das lässt sich zwar kaum messen, man sollte es aber nicht unterschätzen.“ (sj)

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