Gemeinderat: "Stimmung hat sich massiv verschlechtert"

Murnau - Die Fraktionen sind sich einig: Im Murnauer Gemeinderat herrscht angespannte Atmosphäre. So kann es nicht weitergehen, findet mancher.

„Die Stimmung hat sich seit der vergangenen Wahl massiv verändert und verschlechtert“, stellt Welf Probst, Chef der Freien Wähler, klar. „Ich vermute, das liegt zum Teil an den Charakteren.“ Der Einzelne müsse sich mehr zurücknehmen, fordert er. „Manche sollten sich selbst nicht für so wichtig halten - das geht vielen Gemeinderäten gegen den Strich.“

Probst moniert, Respekt vor den Kollegen, ihren Meinungen und Anträgen sei im Gremium fast nicht vorhanden. „Wenn man alles mit Würde behandelte, wären mir einen großen Schritt weiter.“

Eine Meinung, die andere teilen. Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hatte erst jüngst „mehr Respekt voreinander“ angemahnt. „Man sollte jemandem nicht von vornherein schlechte Absichten unterstellen. So hält das keiner von uns aus, so schafft niemand noch vier Jahre.“

Was also tun, um für klimatische Entspannung zu sorgen? Bürgermeister Michael Rapp (CSU) nimmt den Einzelnen in die Pflicht. „Das muss man untereinander lösen“, findet er - und spielt auf tragische Konflikte der antiken Tragödie an, bei der eine Gottheit überraschend einzugreifen pflegt. „Hier kann keiner wie ,deus ex machina‘ auf die Bühne springen und sagen: Das klären wir jetzt.“

Michael Manlik versucht eine allgemeine Annäherung an das Problem: „Wenn man sich menschlich nicht mehr so versteht in einem Gremium oder in einem Betrieb, holt man einen Moderator oder Mediator von außen und probiert, ein einigermaßen vernünftiges Klima reinzubringen.“

Ob es sich dabei um den Königswege aus der politischen Spannungs-Falle handelt, wagt der SPD-Fraktionssprecher nicht zu beurteilen: „Ich weiß auch nicht, ob alle mitmachen.“

Manlik empfindet die Atmoshäre indes schon seit Jahren als angespannt, „in dieser Periode noch mehr als in der vergangenen“. Allerdings stuft er das Miteinander „nicht unbedingt als unhöflich“ ein, „das ist normaler politischer Umgangston. Natürlich fliegen mal die Fetzen, ist man anderer Meinung und trifft in der Wortwahl nicht ganz den richtigen Ton.“ Doch das sei „verzeihlich, wenn man sich hinterher in die Augen schauen“ könne, meint Manlik.

Eine Patentlösung hat auch Josef Bierling (CSU-Fraktionssprecher) nicht parat: „Die angespannte Atmosphäre ist drin, man kann sie nicht einfach ausradieren.“ Der CSU-Mann glaubt: „Das liegt am Verhalten Einzelner - nicht an den Gruppierungen, sondern an persönlichen Erscheinungsbildern in Fraktionen.“

Er bekomme aus anderen Gruppierungen mit, dass sich Einzelne darin „nicht so wohl fühlen“. Die Arbeit im Gemeinderat bereitet dabei nicht nur Freude. „Manchmal komme ich wirklich heim und sage: So macht’s keinen Spaß mehr, es ist ein Bild des Elends, das man nach außen abgibt“, erklärt Bierling. „Jeder möchte sich positionieren und profilieren - da wird auch fünfmal das Gleiche gesagt.“

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