Generationenkonflikt verschärft CSU-Krise

Farchant - Aus Ärger über den Kurs der Altvorderen haben zwei weitere Nachwuchskräfte der CSU-Spitze die Gefolgschaft verweigert. Bei der Farchanter Union liegen die Nerven blank.

Als Feuerwehr-Chef hat Hans Gabler schon Erfahrung ­ und die kann er jetzt gleich in seinem neuen Job als Bürgermeister-Kandidat der CSU einbringen: Im erfolgsverwöhnten schwarzen Ortsverband brennt es nämlich spätestens seit Montagabend lichterloh.

Der Generationenkonflikt eskalierte während einer Sitzung zur Vorbereitung der Kommunalwahl am 2. März. Darin erklärten der stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Peter Fichtl und die Chefin der Jungen Union (JU) Farchant, Elisabeth Lechner, ihre Rücktritte als Gemeinderatskandidaten. Auslöser waren unterschiedliche Auffasungen über die Einbindung des Polit-Nachwuchses bei der CSU-Liste.

Auf den ersten zehn Plätzen des 16 Köpfe zählenden Wahlvorschlags taucht kein einziger Vertreter der jungen Generation auf. So sehen sich die JU-Vertreter einer echten Chance zur Mitgestaltung beraubt. "Wir hätten gerne mit den erfahrenen Gemeinderäten zusammengearbeitet und uns von ihnen auch etwas sagen lassen. Aber als Lückenfüller für die Liste wollen wir uns nicht abstempeln lassen", begründeten Lechner und Fichtl ihre Entscheidung. Zuvor hatten bereits Franz Grabo und Caroline Geiling aus Enttäuschung über die Parteispitze ihren Hut genommen (wir berichteten).

Die örtliche CSU-Führung habe offenbar kein Interesse, der jüngeren Generation ein echtes Mitspracherecht einzuräumen, sagten Lechner und Fichtl. So habe Ortsvorsitzender Joachim Herrmann während der JU-Hauptversammlung im Dezember erklärt, die CSU könne sich auf vorderen Listenplätzen keine jungen Vertreter leisten. Diese würden nicht gewählt. Ähnliche Signale habe auch Bürgermeisterkandidat Gabler gegeben. "Das wissen wir aus sicherer Quelle."

Herrmann wiederum unterstrich, dass die CSU-Spitze inklusive Gabler die Jugend nicht ausgrenzen wolle. Seine umstrittene Aussage bei der JU hat er anders in Erinnerung: Er habe lediglich gesagt, "die JU solle bedenken, dass man nicht zu viele Junge nach vorne wählen solle", behauptete Herrmann. Außerdem sei die Gemeideratsliste demokratisch von 51 Mitgliedern gewählt worden. Die beiden JU-Vertreter seien enttäuscht über ihr schlechtes Abschneiden. Dieses hätten sie nicht verwunden. Ihre Rücktritte seien allerdings "nicht dramatisch", analysierte der Ortsvorsitzende: "Wir müssen jetzt den Ball flach halten."

Flach spielen, hoch gewinnen? ­ daran haben zumindest Fichtl und Lechner so ihre Zweifel: "Das Verhalten der CSU-Veranstwortlichen wird die Partei bei der Wahl Stimmen kosten ­ und das nicht nur aus der jüngeren Generation." Derweil kündigte Herrmann an, er werde jetzt zwei neue Gemeinderatskandidaten nachmelden.

Damit verschärft sich die Farchanter CSU-Krise weiter. Zunächst hatte Bürgermeister Michael Lidl seine erneute Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Der designierte Kronprinz Franz Grabo war aus der CSU ausgetreten, und Vize-Rathauschef Hans Schmid ließ sich gar nicht erst aufstellen. Im letzten Moment erklärte sich Hans Gabler bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Er muss gegen Martin Wohlketzetter (SPD) und Marlena Rauch von den Freien Wählern bestehen, die beim Urnengang vor sechs Jahren Amtsinhaber Lidl nur knapp unterlegen war.

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