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Land unter: Ganz Eschenlohe stand 2005 unter Wasser.

Schutz wurde ausgebaut

10 Jahre nach dem Hochwasser-Drama: Noch viel zu tun

Landkreis - Zehn Jahre ist die Hochwasserkatastrophe im Landkreis nun her. Millionen von Euros wurden seither in den Schutz investiert. Noch nicht genug.

Horst Hofmann hat’s selbst „direkt erschlagen“. Als er zusammensuchte, was sein Team im Wasserwirtschaftsamt Weilheim seit 2005 in puncto Hochwasserschutz im Landkreis Garmisch-Partenkirchen umgesetzt hat, war der Fachgebietsleiter doch überrascht. Mit so vielen Einzelprojekten hatte er nicht gerechnet. Etwa 70 Millionen Euro wurden seit dem Hochwasser vor zehn Jahren in den Wasserbau investiert – 15 Millionen davon allein an Loisach und Isar. Doch damit sind die Arbeiten längst nicht abgeschlossen. Laut Behörde fließen in den kommenden Jahren weitere 10 bis 15 Millionen Euro in den Hochwasserschutz – sofern Freistaat und Kommunen, die sich an den Kosten beteiligen oder sie sogar schultern müssen, die Mittel freigeben.

Dabei steht künftig vor allem der Unterhalt bestehender Anlagen im Zentrum. „Und allein damit hätten wir Arbeit über Jahrzehnte“, sagt Hofmann, der seit 2004 für den Wasserbau im Landkreis zuständig ist. Dort gibt es an den über 100 Wildbächen mit einer Fließstrecke von über 1500 Kilometern mehr als 5000 registrierte Bauwerke – manche davon 100 Jahre alt. Und damit marode.

Aktuell überprüfen Experten den Handlungsbedarf. Einer dieser historischen Bauten nimmt sich das Amt in Garmisch-Partenkirchen an: Seit 2013 wird das Kankergerinne nach und nach saniert, aktuell an einem insgesamt etwa 280 Meter langen Abschnitt an der Mittenwalder Straße. Wie berichtet, will das Wasserwirtschaftsamt diese Arbeiten noch heuer abschließen.

Wasserautos: Am Autobahnende der A95 bei Eschenlohe war die Straße überflutet.

Etwa fünf Millionen Euro wurden dann allein in das Kanker-Projekt investiert. Weitere 3,5 Millionen Euro könnten hinzukommen für das noch fehlende, 600 Meter lange Teilstück vom Kurpark Partenkirchen bis zur Brücke an der Mittenwalder Straße. „Da wird’s aber noch spannend“, prophezeit Hofmann. Nicht wegen der Kosten, sondern wegen der äußeren Gegebenheiten etwa an der Badgasse: Dort stehen die Häuser zum Teil direkt auf der Ufermauer.

Ein weiteres Projekt nimmt bei der Behörde breiten Raum ein: die Loisach in Garmisch. Für zwei bis vier Millionen Euro soll eine möglichst naturverbundene Lösung gefunden werden. Noch planen die Experten. Da sind sie beim Wamberger Graben in Partenkirchen schon weiter: Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren für den etwa 560 000 Euro teuren Hochwasserschutz läuft an. „Wenn’s gut geht, könnten wir 2016 starten“, sagt Hofmann. Er würde dringend dazu raten, räumt er diesem Projekt doch „oberste Priorität“ ein. Denn tritt hier das Wasser über die Ufer, „ist das Klinikum dran“.

Müsste der Experte aus den vielen anderen Projekten weitere mit höchster Dringlichkeit herausgreifen – er würde zwei wählen, bei denen es tatsächlich gut vorangeht. An der Großen Laine in Oberammergau etwa wird eifrig gebaut. Im Ernstfall „wäre dort gleich ein Drittel des Ortes betroffen“.

Ähnlich dramatisch könnte sich die Hochwasser-Lage am Lainbach in Mittenwald entwickeln. Auch da „gibt die Gemeinde Gas“. Wie berichtet, soll der erste Abschnitt der Verbauung Anfang 2016 starten. Insgesamt sieht Hofmann den Kreis gut geschützt. Sollte sich morgen ein Hochwasser wie vor genau zehn Jahren ereignen, „dürfte nicht so viel passieren“.

Ausdrücklich verweist er angesichts des „gewaltigen Katalogs“ an Schutzmaßnahmen seit 2005 auf die „enorme Leistung“ seiner Wasserbauer hin – aus gutem Grund: Hofmann sieht ein Problem auf das Wasserwirtschaftsamt zukommen. Erfahrung gehe verloren, der Nachwuchs fehle – obwohl es immer wieder Anfragen um eine Stelle gebe. Doch Hofmann muss immer absagen. Personal wird abgebaut statt aufgestockt. Gab es 1997 noch zwei Flussmeisterstellen mit 34 Mitarbeitern, haben sich die Zahlen heute halbiert: 17 Leute, eine Flussmeisterstelle. Das Durchschnittsalter in seinem Team betrage 50 plus – alles Mitarbeiter, die einen überaus anstrengenden Beruf bewältigen müssen. Hofmann kritisiert seinen Arbeitgeber, den Freistaat Bayern, für diese wenig nachhaltige Politik. „Hier wird an der falschen Stelle gespart.“

Katharina Bromberger

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