Ein einstiger großer Arbeitgeber im Isartal: das Gewa-Werk in Mittenwald (heute in Adorf/Sachsen). Foto: Kunz/Archiv

Die große Abwanderung

Landkreis - Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen als Wirtschaftsregion schrumpft: Vor allem Industrie-Betriebe kehren dieser den Rücken zu und ziehen weg.

Dazu zählten etwa der Skibindungshersteller Marker (Eschenlohe), der Instrumentenhersteller Gewa (Mittenwald) oder der Maschinenbauer Tipecska (Seehausen). Die Gründe für diese Abwanderung sind vielfältig, immer wieder wird der Mangel an bezahlbaren Gewerbeflächen genannt.

Die Konsequenzen sind schmerzhaft: Gerhard Lutz, Kreisvorsitzender der Industrie- und Handelskammer (IHK), schätzt, dass in den vergangenen 15 Jahren über 2000 Arbeitsplätze verloren gingen. „Diese konnten nicht kompensiert werden“, stellt der Geschäftsmann aus dem Kreisort nüchtern fest - auch nicht mit der Stärkung der Kliniklandschaft.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Jetzt lässt auch der Murnauer Autozulieferer Geiger Automotive - mit knapp 280 Beschäftigten hierzulande einer der größten Arbeitgeber - die Alarmglocken schrillen: Die Manager des Unternehmens denken ebenfalls über eine Umsiedlung nach - und über den Neubau eines neuen Firmensitzes im günstigeren Umland (wir berichteten).

Es verwundert nicht, dass nun Stimmen laut werden, die eine aktivere und landkreisweite Wirtschaftspolitik einfordern. „Ich habe den Eindruck, dass zu wenig getan wird“, sagt IHK-Vertreter Lutz. Es reiche nicht aus, nur zu reagieren. Man müsse einen engen Kontakt zu den Betrieben pflegen, ihre Sorgen und Nöte früh erkennen und Hilfen anbieten, etwa freie Flächen vermitteln. Große Hoffnung setzt Lutz auf die Kreisentwicklungsgesellschaft (KEG), in der er auch mitarbeitet. „Es gibt Ansätze. Aber das muss intensiviert werden.“ Die KEG, ein Zusammenschluss des Landkreises, der Kreisgemeinden und weiterer Partner, soll die Region mit unterschiedlichen Projekten stärken.

Deutliche Worte findet auch der Murnauer Gemeinderat Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der sich in seinem Heimatort um das Amt des Bürgermeisters bewirbt. Er ist vom Fach, arbeitet als Wirtschaftsförderer der Stadt Penzberg. Sein Urteil: „Es gibt keine erkennbare Wirtschaftsförderung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.“ Der Fall Geiger ist seiner Meinung nach das beste Beispiel für dieses Defizit. Hier sei viel Zeit verloren gegangen. Schließlich seien die Veränderungswünsche der Firma seit Jahren bekannt. Die Gemeinde hätte schon längst mit den Vermietern der Immobilie sprechen und Optionen für einen Erweiterungsbau ausloten können, um den Traditionsbetrieb am Standort zu halten.

Genau das will Murnaus Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) tun. Der Rathaus-Chef warnt vor „Panikmache“. Er habe schon vergangenes Jahr seine Hilfe angeboten. Es bestünden „beste Möglichkeiten“, das Geiger-Werk zu vergrößern. Rapp ist optimistisch: „Da ist noch lange kein Strich drunter.“

Eins ist klar: Das beste Rezept gegen die Abwanderung expansionsfreudiger Unternehmen wie Geiger wären Gewerbeflächen. Doch die sind rar und teuer. Eine Ausweisung neuer Areale im großen Stil sei in einer Tourismus-Region mit vielen Schutzgebieten „schwierig“, räumt der amtierende Landrat Anton Speer (Freie Wähler) ein. Vor allem im Norden des Landkreises sieht der Unterammergauer, der wie Rapp als Landratskandidat antritt, noch Potenzial. Für ihn spielt in Sachen Wirtschaftsförderung die KEG die zentrale Rolle. Speer: „Wir sind auf einem guten Weg.“ (as)

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