Nach Bomben-Fund: Vollsperrung auf der A3 - mehrere Wohnhäuser evakuiert

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Gesperrt: die Straße zwischen Mittenwald und Scharnitz.

Lifte auf der Zugspitze außer Betrieb

Große Lawinengefahr: Pisten, Straßen und Zugstrecken gesperrt

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Neuschnee en masse, steigende Temperaturen und Regen: Das ist eine bedrohliche Mischung. In den Gebirgen im Landkreis herrscht große Lawinengefahr – mit Auswirkungen im Tal.

Landkreis– Sturmböen wirbelten über die Zugspitze, Nebel ummantelte am Montag Deutschlands höchsten Berg. Beim Blick aus dem Fenster schaute Robert Schardt auf eine weiße Wand. „Ich seh’ keine 100 Meter weit“, sagte der Wetterwart über die Situation auf knapp 3000 Metern Höhe. Kommt schon mal vor. Vielmehr ist er wegen eines selteneren Phänomens besorgt: Der Lawinenwarndienst Bayern schlägt Alarm. Gefahrenstufe vier von fünf – in den Werdenfelser und in den Ammergauer Alpen.

Dass teilweise große Schneebretter von selbst abgehen, sei zu erwarten, heißt es im Lagebericht des Warndienstes. Aber auch jeder Wintersportler könne eine Lawine verursachen. Schardt rät eindringlich, sich nicht abseits der Pisten zu bewegen. „Das ist unbedingt zu vermeiden.“

Die Bayerische Zugspitzbahn hatam Montag auf die prekären Wetterverhältnisse reagiert. Die Lifte auf der Zugspitze und im Alpspitzgebiet im Garmisch Classic standen still, nur zwischen Kreuzeck- und Hausbergbereich lief der Betrieb. „Es ist viel Schnee gekommen“, sagt Sprecherin Verena Lothes. Etwa 25 Zentimeter. Deshalb wurde in den frühen Morgenstunden mehrfach gesprengt.

So recht überraschend kommt die Lawinengefahr für Schardt nicht. Sie ist das Ergebnis der wechselhaften Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen und Monate. Der Wind verfrachte die großen Neuschneemengen an die Bergkämme. Hinzu kommt der Regen. „Die überhängenden Massen rutschen runter.“

Marchklamm: Akute Lawinengefahr in der Karwendelrinne

In Mittenwald werden in solchen brenzligen Situationen Erinnerungen wach. Zum Beispiel an 2003. Damals schob sich ein Lawinenkegel durch die Marchklamm. Zuvor hatten sich unterhalb der Brunnsteinspitze zwei Schneebretter gleichzeitig gelöst und sich weiter unten zu einer Nass-Schnee-Lawine vereinigt. Die B2 und die Bahnlinie nach Tirol mussten gesperrt werden. Der Wunsch nach einer Schutzverbauung blieb bis dato unerfüllt.

Am Montag dürfte er wohl wieder ein bisschen aufgekeimt sein. 2,30 Meter Schnee wurden an der Mess-Station auf rund 1800 Metern registriert. Weitere 70 Zentimeter sollten bis Dienstag folgen. „Das ist schon gewaltig in der Flanke“, meint Heinz Pfeffer. Der Obmann der Lawinen-Kommission Mittenwald spricht von äußerst bedenklichen Verhältnissen in der Karwendelrinne, die sich direkt an der deutsch-österreichischen Grenze befindet. Aus diesem Grund hat das Landratsamt den Bereich für den Verkehr gesperrt.

Spazier- und Wanderwege in Garmisch-Partenkirchen gesperrt

Ähnlich sah es an einem anderen Grenzübergang aus: Die Staatsstraße zwischen Ettal und Plansee – dicht. Zumindest auf österreichischer Seite. Die deutsche blieb offen. „Es könnte aber sein, dass sie noch geschlossen wird“, erklärte Stephan Scharf, Sprecher im Landratsamt, am Montagmittag. Die Strecke sei stets „unter Beobachtung“. Präventiv schritt auch der Markt Garmisch-Partenkirchen ein und sperrte wegen möglichen Baumbruchs sämtliche Spazier- und Wanderwege sowie die Partnachklamm.

Gleich mit mehreren Ausfällen hatte die Bahn zu kämpfen. Ab 9.40 verkehrte zwischen Mittenwald und Scharnitz kein Zug mehr. Auf der Route von Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck „fahren wir auf deutscher Seite bis Mittenwald, auf österreichischer bis Scharnitz“, teilt ein Sprecher der DB mit. Außerdem kam es am Morgen zu einer Streckenunterbrechung im Bereich zwischen Garmisch und Griesen. Ein Baum war auf eine Oberleitung gefallen.

Die heikle Phase dürfte noch andauern. Doch Experte Schardt hat beruhigende Nachrichten: Die Lage „stabilisiert sich“. Am Donnerstag könnten Skitouren wieder möglich sein.

Christof Schnürer

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