„Jedes Jahr kommen mehr Menschen.“Michael Bocklet

"A guads neis Jahr": Sternrundgang lockt tausende auf Dorfplatz

Oberammergau - Rund 2000 Menschen haben sich in der Silvesternacht am traditionellen Oberammergauer Sternrundgang beteiligt. Das bedeutet gegenüber den Vorjahren erneut eine Steigerung.

Michael Bocklet ist begeistert: „Jedes Jahr kommen mehr Menschen zu unserem Sternrundgang!“ Richtig, das Stimmengewirr am Silvesterabend war in Oberammergau fast schon babylonisch; allerdings mit dem Unterschied, dass man in der Stadt aus dem Alten Testament die Leute in ihrer Sprachenvielfalt nicht mehr verstehen konnte. Im Passionsort ist das anders gewesen: Egal ob „Happy new year“ oder „Bonne année“ – jeder wusste, was gemeint ist: „A guads neis Jahr!“

Schon weit vor 19 Uhr standen Scharen vor dem Ammergauer Haus, um sich die bunten Lampions abzuholen. Junge Urlauber aus Mailand haben sich gleich sieben Laternen geschnappt: „Felice anno nuovo!“ Die Familie aus Warschau war mit zwei Lämpchen für die Kinder zufrieden: „Szczesliwege Nowego Roku!“

Zuerst einmal waren die Oberammergauer in der Unterzahl. Aber Michael Bocklet, der dieses Mal die musikalische Leitung beim Sternrundgang übernommen hatte, meinte: „Das ist jedes Jahr so. Zuerst gehen wir mit den Feriengästen und den Leuten aus der Umgebung los.“ Die meisten Einheimischen kämen dann bei den folgenden Stationen am Pilatushaus oder am Sternplatz dazu. „Viele warten vor der Kirche auf den Umzug.“

Der Männerchor, ein Bläserensemble und die Musikkapelle führen die Gruppe an. „Die historischen Chorsätze stammen unter anderem vom Komponisten der Passionsmusik, Rochus Dedler, von Eugen Papst, Heini Rutz und Hans Gotzler“, teilt Bocklet weiter mit.

Mögen es zum Abschluss am Dorfplatz 1500 oder 2000 Menschen gewesen sein, im Dunkeln lässt sich die Zahl sowieso nur schwer schätzen: Als die Blaskapelle das „Lobet den Herrn“ anstimmte, sang jedenfalls ein vielhundertköpfiger Chor begeistert mit.

Das Sternsingen an Silvester in Oberammergau ist seit mindestens 200 Jahren Tradition. Die erste urkundliche Erwähnung dieses Brauches dürfte ein Eintrag im sogenannten Saalbuch des Klosters Ettal sein, den Helmut Klinner im Dorfarchiv gefunden hatte. Demnach wurden in den Jahren zwischen 1771 und 1789 jeweils in der Silvesternacht vom Pfarrer an die Sternbuben 24 Kreuzer ausbezahlt. Und Joseph Daisenberger schrieb 1859 in seiner Oberammergau-Chronik: „Für die Erwachsenen ist das Sternsingen in der Neujahrsnacht gedacht. Wobei der Weihnachtsstern unter Absingen von Neujahrsliedern von einer Schar junger Leute herumgetragen wird.“ Der große Weihnachtsstern – wie ihn Daisenberger nannte – ist beleuchtet, und wenn die Blaskapelle zum Tusch ansetzt und die Menschen ihr „A guads neis Jahr“ rufen, fängt er an, sich ganz schnell zu drehen.

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