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Jagdexperten vor den Trophäen 2015: (v.l.) Forstdirektor Markus Schmorell, Jäger-Vorsitzender Dr. Thomas Bär, Hubert Aiwanger, Regierungsrätin Verena Seeberger, Landrat Anton Speer und Kreisjagdberater Karl Hörmann.

Traditionsveranstaltung

Hegeschau zeigt: Bedrohlicher Trend beim Schwarzwild

Landkreis - Wildschweine sind im Werdenfelser Land auf dem Vormarsch. Diskussionen um Abschuss-Planung.

80 Reviere umfasst das Werdenfelser Land. Und darin wurde im vergangenen Jahr gute Arbeit geleistet. Zumindest ist das Ergebnis des Abschuss-Solls verbessert worden. Von 80 Prozent im Vorjahr auf 86 Prozent in 2015. Diese Ergebnis präsentierte Kreisjagdberater Karl Hörmann bei der traditionellen Hegeschau in Garmisch-Partenkirchen, zu der das Landratsamt immer kurz vor Beginn des Frühjahrs einlädt. Insgesamt sind in den vier Hegegemeinschaften des Landkreises 4534 Stück Wild erlegt worden, während die Vorgabe immerhin bei 5292 Tieren gelegen hat. „Die Schwierigkeiten der Abschusserfüllung sind uns allen ausreichend bekannt“, erläuterte Hörmann. „Das Wild wird nämlich durch Sport- und Freizeitaktivitäten auch zu Nachtzeiten beunruhigt. Die Vorstellungen einer idealen Freizeitlandschaft vertragen sich nicht mit Natur und Jagd.“ Hinzu kam das Wetter: Spät einsetzender Schneefall und Kälte hätten 2015 den jagdlichen Erfolg in den Wintermonaten erschwert: „Wichtiger denn je ist es darum, bereits im Sommer einen großen Teil des Abschusses zu erfüllen, um weniger von den Witterungseinflüssen abhängig zu sein, idealerweise sollte der Abschuss bis Ende Dezember erfüllt werden.“

Im Detail erläuterte der Experte, dass beim Rotwild 1392 der vorgegebenen 1649 Stück abgeschossen worden seien, was 84 Prozent bedeutet, bei den Gamsen seien es 1004 von 1103 Stück, also sogar 91 Prozent, bei den Rehen 2153 der 2540 Tiere und damit 85 Prozent. Geradezu dramatisch, um nicht zu sagen bedrohlich ist hingegen die Entwicklung beim Schwarzwild: Wurden im Jahr vorher im Werdenfelser Land noch 37 Wildschweine erlegt, so stieg diese Zahl 2015 massiv auf 127 Stück. „Sie sind jetzt auch bei uns auf dem Vormarsch“, unterstrich Hörmann. Und er zeigte sich angesichts dieser Abschusszahlen erleichtert, dass sich die Jäger bereits auf die neuen Gegebenheiten eingerichtet haben. Der Jagdberater wies ferner darauf hin, dass 421 Füchse erlegt wurden und 156 verendet seien, davon 115 bei Verkehrsunfällen.

Zur Hegeschau hatte Jagdverbands-Kreisvorsitzender Dr. Thomas Bär sowohl Revierinhaber als auch Jäger begrüßt, als Festredner den Bundesvorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger sowie die Forst-Chefs Markus Schmorell, Markus Hildebrandt und Nikolaus Stöger, den Nachfolger von Meinrad Süß im Forstbetrieb Oberammergau. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) wies bei der Schau auf die forstliche Dauerproblematik hin, vor dem Hintergrund des Grundsatzes „Wald vor Wild“ artgerechte und gesunde Bestände zu erhalten. „Und derzeit stehen wir wieder einmal vor einer schwierigen Abschussplanung.“ Darauf ging auch Bär ausführlich ein. Genauso wie auf das „Forstliches Gutachten“, das derzeit auf der Grundlage der Verbissschäden erarbeitet wird, und Basis der künftigen Abschussplanungen ist. Nicht nur für ihn steht außer Frage, dass die derzeitige Praxis Unzulänglichkeiten aufweist. Unter anderem enthalte das Gutachten keine Aussagen über die Waldentwicklung und binde die Beteiligten wie Grundeigentümer, Jagdinhaber und Naturschutz nicht ausreichend ein.

Dazu präsentierte der Leitende Forstdirektor Markus Schmorell in einem Kurzreferat einige Gegenargumente: Bis auf mehrere Gebiete, in denen sich die Situation verbessert hat, sei die Verbiss-Situation und damit die Baumverjüngung erheblich schlechter als in anderen Gebieten entlang der Alpen. „Nur in manchen Bereichen sind wir doch etwas weitergekommen: Dennoch liegt ein weiter Weg vor uns, bis Wald und Wild entsprechend den landeskulturellen Erfordernissen in Einklang sind.“

Wolfgang Kaiser

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