Der Gudiberg war während der Ski-Weltmeisterschaft 2011 Schauplatz der Slalomrennen. foto: imago

Das Herz sagt ja, der Verstand nein

Garmisch-Partenkirchen - Garmisch-Partenkirchen wird am 1. Januar 2016 nicht das Mekka des Wintersports sein. Das zweite Springen der Vierschanzentournee ist an Neujahr weiter das alleinige Topereignis. Ein Parallelslalom könnte dann ab 2017 dazukommen - wenn der Internationale Skiverband FIS seine Zustimmung gibt.

Extra einen Tag früher war Peter Fischer samt Assistentin Gabi Maurer nach Zürich (Schweiz) aufgebrochen, um im Hilton Airport Hotel zusammen mit Michael Maurer, dem Präsidenten des SC Partenkirchen, und den Vertretern des Deutschen Skiverbands die entscheidenden Köpfe des Internationalen Skiverbands FIS zu treffen. Einziges Thema: Das geplante Mega-Event am 1. Januar 2016 aus dem zweiten Springen der Vierschanzentournee und dem anschließenden Parallelslalom auf dem Gudiberg. Alle Beteiligten redeten sich die Köpfe heiß und kamen gemeinsam zu dem Schluss: Wir lassen’s - erst einmal. Neujahr 2016 mit diesen zwei Sport-Großereignissen ist in der Kürze der Zeit unmöglich zu realisieren. „Das Herz hatte ja gesagt, der Verstand allerdings nein“, kommentierte Peter Fischer, Vorsitzender des SC Garmisch, der auch die Damen- und Herren-Weltcup-Rennen auf der Kandahar ausrichtet. „Die vielen Probleme, die sich auftun, lassen sich nur lösen, wenn man viele Monate Vorlauf hat. Die Herzentscheidung hätte im Chaos geendet.“ „Schade, dass es nicht geklappt hat“, findet Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Für den Ort wäre es genial gewesen.“ Auch SCP-Chef Michael Maurer stand der Doppelveranstaltung positiv gegenüber, auch er wies auf die Schwierigkeiten hin.

Und die liegen vor allem im logistischen Bereich. Es geht um Verkehr und das Parken, wie wird mit den Eintrittskarten verfahren, wie bekommt man die Zuschauer des Skispringens raus aus dem Stadion, wie die für den Parallelslalom zum Gudiberg, wie schultert die übertragende Fernsehanstalt den Aufwand, wie löst man das Platzproblem. Nicht zu unterschätzen: die beiden Vermarkter. Die Agentur Infront - dort ist Fußball-Ikone Günther Netzer Geschäftsführer - ist für die Vierschanzentournee zuständig, Sportfive vermarktet den Ski-Weltcup. Alles Dinge, die unter einen Hut gebracht werden müssen.

Selbst wenn das gelingen würde, ist es längst nicht beschlossene Sache, dass Garmisch-Partenkirchen dann am 1. Januar 2017 der Wallfahrtsort für Skisprung- und Ski-alpin-Fans ist. „Ich bin zu 150 Prozent für diesen Wettbewerb. Für den Ort wäre das wie ein Sechser mit Superzahl im Lotto“, sagt der 62-Jährige Fischer, der die Ski-Weltmeisterschaften 2011 als Geschäftsführer verantwortete. Er sieht die Angelegenheit realistisch: „2017 zu kriegen, wird nicht leicht sein. Das ist kein Automatismus.“

Es gibt Begehrlichkeiten von anderen Nationen. Mehrere sollen in Zürich vernehmlich mit den Hufen gescharrt und den Finger gehoben haben - nicht nur in Sachen 1. Januar. Auch um die anderen Weltcuprennen ist ein Bieterwettbewerb entbrannt. Immer mehr Länder drängen auf den Markt. Ein Beispiel: Den Zuschlag für das Weltcup-Finale hatte in Zürich der Zwergstaat Andorra erhalten, der sich gegen Traditionsstandorte wie Meribel (Frankreich) und Lenzerheide (Schweiz) durchsetzte. Staaten wie Japan, die Slowakei, Südkorea oder Russland, das die Olympia-Stätten von Sotschi beleben möchte, wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben. „Der wird aber nicht größer“, sagt Fischer.

Deshalb ist es wichtig, dass Garmisch-Partenkirchen am Ball bleibt und zeigt, dass der Ort gewillt ist, die lange Tradition an Weltcup-Rennen auch in die Zukunft zu tragen. „Aussagen der Politik pro Weltcup, pro 1. Januar und einer neuen Bewerbung für eine Ski-Weltmeisterschaft 2023 wären da hilfreich“, sagt Fischer. Und die Zeit drängt. 2017 muss für 2023 die Bewerbung auf den Weg gebracht werden. Zwei Kandidaten und damit mögliche Konkurrenten haben sich schon positioniert. Der eine kommt aus Österreich, der andere aus Frankreich. Dass eine neuerliche Bewerbung für eine Ski-WM Sinn macht, darüber besteht in der heimischen Wirtschaft Konsens. Und Fischer hat auch bei den politischen Parteien durch Besuche und Vorträge dafür geworben. Er spürt ein gewisses Umdenken. Die Erkenntnis scheint sich im Gemeinderat durchzusetzen, dass der Rotstift nicht bei den Sportgroßereignissen angesetzt werden sollte.

Peter Reinbold

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