Historischer Schatz auf dem Dachboden entdeckt

Unterammergau - Aus purem Zufall stieß jetzt in Unterammergau die Schulleiterin Brigitte Kruis auf bisher unbekannte, zum Teil über 300 Jahre alte Dokumente und Berichte über die Dorfgeschichte.

„Gemain-Buech der löblichen Dorfs-Gemain Under Amergau“ steht da in schöner alter Kanzleischrift geschrieben und mit weit ausholenden Federschwüngen verziert, „neu verfasset Anno 1751, beschriben durch Martinum Schwaiger“: Es ist das älteste Stück eines fast sensationellen Fundes, den Unterammergaus Schulleiterin Brigitte Kruis jetzt rein zufällig auf dem Speicher des Schulhauses machte.

Die Rektorin wollte nur alte Lehrmittel entrümpeln und suchte gleichzeitig nach einem brauchbaren Schreibtisch unter den alten Schulmöbeln, die unter dem Dach des Gebäudes eingelagert sind. Einer schien geeignet und bei näherem Betrachten kam der wunderbare Fund zu Tage – alte Dokumente wie das „Gemain-Buech“, dessen Eintragungen bis auf das Jahr 1690 zurückgehen. Nikolaus Huber, der 1967 verstorbene einstige Archivar der Gemeinde, hatte zu seiner Zeit schon gesammelt und die ebenfalls aufgetauchte „Chronik der Wetzsteinmacherei“ angelegt – umfangreich und akribisch genau mit vielen Fotos, Listen, Zeichnungen und Beschreibungen.

1964 war das neue Schulhaus eingeräumt worden, seitdem waren die wertvollen Dokumente dort zwischengelagert und irgendwann vergessen worden. Kontorbücher der genossenschaftlichen Wetzsteinmacherei, beginnend mit dem Jahr 1809, waren ebenso dabei wie zwei schwere Ehrenbücher der Gefallenen und Heimgekehrten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Die komplette Geschichte mit dem Friedensvertrag ist dort nachzulesen, Kriegsverlauf, Kriegserklärungen, Kriegskosten des 1. Weltkrieges, persönliche Eintragungen über die Unterammergauer Gefallenen und Heimgekehrten.

So ist über Michael Deisenberger zu lesen: „Infanterist, gefallen am 1.2.1916 durch Granatschuss“. Oder: „Maschinengewehrschütze Nikolaus Burkhart kehrte am 3.12.1918 zurück“. Und über den am 26.7.1944 gefallenen Offizier Josef Burkhart ist zu entnehmen, dass er unter anderem am Feldzug in Polen teilnahm und an der Stalinlinie kämpfte. Auch über die Dorfbrände wurden alte Berichte gefunden, Grundstücksurkunden seit 1860, eine Medaille von König Ludwig III., und Grundsteuerkataster von 1825 mit Zahlungen, die jeder Einwohner entrichten musste, der Besitz hatte. Auch eine alte Zeitschriftensammlung wurde auf dem Speicher entdeckt, einige Fotos, darunter eines vom Kirchenchor 1930 und das bislang älteste Abbild von Unterammergau von 1890 von Osten her gesehen.

Bürgermeister Michael Gansler weiß, wie wichtig der Fund für die Aufarbeitung der Unterammergauer Geschichte ist. Persönlich interessierten ihn natürlich besonders die Fotos vom Bau der Umgehungsstraße 1933/34 mit den alten Baggern oder von der Ammerkorrektur 1934 bis 1936, als etwa mit Ochs und Ross im Gespann riesige Steine aus den Brüchen in die Ammer verfrachtet wurden.

Mit dem Fund darf sich nun der gemeindliche Archivar Günther Warmuth beschäftigen. Erst einmal heißt es, sich einzulesen in die alte Schrift und dann beginnt die Arbeit des Sichtens und Einordnens. Schulleiterin Kruis will einiges für den Heimatkunde-Unterricht nützen, und auf Anfrage können Bürger die Dokumente auch einsehen, wenn sie erst einmal geordnet sind, so Bürgermeister Michael Gansler.

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