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Hitzige Diskussion im Schatten

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„Wintermärchen oder Ausverkauf“: Darüber diskutieren (v. l.) Heinz Mohr, Michael Vesper, Moderator Achim Wendler, Ludwig Hartmann und Axel Doering im B5-Forum. Foto: sehr
„Wintermärchen oder Ausverkauf“: Darüber diskutieren (v. l.) Heinz Mohr, Michael Vesper, Moderator Achim Wendler, Ludwig Hartmann und Axel Doering im B5-Forum. Foto: sehr

Garmisch-Partenkirchen - Befürworter und Gegner der Olympia-Bewerbung liefern sich eine höchst emotionale Debatte in Garmisch-Partenkirchen. Vor allem die Finanzen und der Flächenbedarf beschäftigen die Zuhörer.

Die Emotionen kochten hoch. Applaudierten Befürworter und Gegner der Olympia-Bewerbung anfangs noch jedem Redner höflich, ließen sie im Lauf der Podiumsdiskussion ihren Gefühlen freien Lauf. „Lügner“, „Heuchler“ und ähnliche Beleidigungen mussten sich die vier Männer an den Mikrofonen gefallen lassen, die manchmal angesichts des Lärmpegels im vollen Saal des Gasthofs Schatten kaum zu verstehen waren. Insbesondere die Finanzen und der Flächenverbrauch beschäftigten die Zuhörer. Während Renate Grünauer fürchtete, dass ihre Heimatgemeinde dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im Fall eines Zuschlags „völlig ausgeliefert“ sei, sah Horst Demmelmayer in der Großveranstaltung vor allem Vorteile: „Durch die Spiele könnte der Ort die verschlafenen 40 Jahre aufholen und nach vorne kommen.“

Sind die Winterspiele 2018, die München mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königsee ausrichten will, „ein unkalkulierbares Risiko oder ein Segen“? Mit dieser Frage eröffnete Achim Wendler, Moderator des Bayerischen Rundfunks, die Diskussion. An seiner Seite saßen Heinz Mohr, Leiter des Olympiastützpunkts in der Marktgemeinde und Erster Vorsitzender von OlympiJa, Michael Vesper, Generaldirektors des Deutschen Olympischen Sportbundes, Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen und Mitbegründer von NOlympia, sowie Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz und Vertreter des Bürgerbegehrens gegen Olympia. Die klare Antwort von Mohr war Segen, schließlich werde die Infrastruktur nur mit dem Zuschlag der Spiele erheblich verbessert. Neben den Umgehungsstraßen zählte er dazu auch den Ausbau der Bahnstrecke. „Diese Chance sollten wir nutzen, die kriegen wir nie mehr.“ Für die aktuelle Bewerbung hätten sich bundesweit alle Sportverbände ausgesprochen, „ich glaube nicht, dass sich Deutschland noch einmal bewerben würde“.

Davon ließen sich Doering und Hartmann wenig beeindrucken: „Man rechnet sich hier alles schön“, empörte sich der Grünen-Politiker. Allein die Kosten für die Sicherheit außerhalb der Sportstätten, die die Staatskanzlei auf „bis zu 80 Millionen Euro“ schätze, „zahlt der Steuerzahler“. Nicht nur aus finanzieller Sicht sind die Spiele für Doering nicht verkraftbar, sondern auch aus Platzgründen. Waren es bei der Alpinen Ski-WM noch elf Wettbewerbe mit über 600 Athleten, so seien es bei Olympia 55 Wettbewerbe mit circa 2500 Sportlern. „Das überfordert unser Tal völlig.“

Derartige Befürchtungen teilte Vesper nicht, der immer wieder an die Emotionen erinnerte, die die Spiele bei Teilnehmern und Besuchern auslösen. Olympia sei darüber hinaus „ein Konjunkturprogramm für den Sport“. Schließlich fließe mit über 90 Prozent ein Großteil der Einnahmen vom IOC zurück an den Breitensport. Als „sozialen Verein“ betrachtete Hartmann das Internationale Olympische Komitee dennoch nicht und verwies auf die „unzumutbaren Verträge“, denen sich ein Austragungsort beugen müsse. (tab)

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