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Bis zu 130 Meter hoch über dem Boden - und völlig ungesichert: Hochseilartist Nock bei seinem Weltrekord.

Hochseilartist Freddy Nock balanciert über Zugspitze 

Grainau - Der Schweizer Hochseilartist Freddy Nock hat das Unmögliche erreicht: Als erster Seilläufer der Welt legte er in über 2500 Metern Höhe eine Strecke von 995 Metern zurück – ohne Sicherung auf dem Drahtseil der Gletscherbahn zur Zugspitze.

Extra:

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„Verrückt“, das war wohl das Wort, das am häufigsten auf der Zugspitze fiel. Hunderte Zuschauer sahen gebannt zu, wie sich der Schweizer Freddy Nock Meter für Meter das Seil der Gletscherbahn hochkämpfte. Damit stellte der 44-Jährige einen neuen Weltrekord im Seillaufen auf. „Mir geht es super, ich bin ruhig, gelassen. Ich könnte gleich nochmal rauflaufen“, sagte der Hochseilartist strahlend, kaum dass er am Sonntag sein Ziel – im zweiten Versuch – erreicht hatte.

Bilder vom Rekordversuch

Rekordversuch auf der Zugspitze

Nock balancierte über 995 Meter weit auf einem der 50 Millimeter starken Tragseile von der Tal- zur Bergstation: leichtfüßig, ohne Schwanken, in gleichmäßigem Tempo, als würde er einfach spazieren gehen. Dabei war er ohne Sicherung unterwegs, sondern nur mit Turnschuhen und einer 20 Kilogramm schweren Balancierstange gerüstet. Die pendelte ab und an, wenn den Artisten eine Windböe erfasste. Stellenweise schwebte er 130 Meter über dem Grund und musste Steigungen von bis zu 56 Prozent überwinden. Dazu musste er über dem Abgrund stoppen, um die Schnürung seiner Schuhe zu locken. Eine „brenzlige Situation“, wie der Vater von vier Töchtern später einräumte, weil ihn diesem Moment ein Windstoß in erfasste. Trotzdem: „Ich habe dabei keine Angst und denke auch nicht daran, dass ich abstürzen könnte“, erzählte er.

Tags zuvor war der Versuch von Nock am schlechten Wetter auf der Zugspitze gescheitert. Dichter Nebel, Nieselregen und Temperaturen um die zwei Grad herrschten auf dem Berg. „Das Seil war einfach zu glitschig“, meinte der gebürtige Schweizer. Zunächst hatte er es mit Schuhen versucht. In schwindelerregender Höhe zog er auf dem Drahtseil später die Schuhe aus, lief nur in Strümpfen weiter. „Aber ich habe gemerkt, es wird zu gefährlich.“ Etwas enttäuscht wirkte der 44-Jährige nach dem gescheiterten Versuch, aber Pessimismus ist nicht seine Sache. „Ich komme die Zugspitze schon noch rauf! Bei schönem Wetter schaffe ich es“, versicherte er mit Nachdruck – und behielt damit auch Recht.

Zumindest hatte Nock damit die Gelegenheit für einen Test – dieser Aktion war keine Probe auf der Zugspitze vorangegangen. Er hatte zuvor auch kein Höhentraining absolviert. „Die Aktion ist eine Herausforderung an mich und meinen Körper“, sagte der Artist. „Ich weiß nicht, wie sich die Höhenluft auf mich auswirkt.“ Es gehe ihm auch darum, seine Grenzen zu erfahren. Im Fokus seines Weltrekordversuches stand stets die Stiftung „Menschen für Menschen“ von Karlheinz Böhm. Nock unterstützte damit insbesonders das Projekt „ABC – 2015“, das Kindern in Äthiopien Schulbildung ermöglichen will. Jeder zurückgelegte Meter wurde mit einem Spendenbeitrag honoriert und hilft damit, die Ziele der Stiftung weiter voranzubringen. Die Aktion war ein voller Erfolg. „Es kamen insgesamt 13 349 Euro zusammen“, gab Pressesprecher Thomas Goesmann strahlend bekannt.

„Freddy kam mit der Idee zu uns, und wir sind sehr froh über die Unterstützung“, freute sich Getachew Zewdu, Leiter dieses Äthiopien-Projekts. „Ich möchte den Kindern dort helfen, denn ich weiß, was es heißt, schulische Probleme zu haben“, bekräftigte Nock.

Was wird sich der Rekordhalter nun einfallen lassen? „Mir schwebt momentan vor, noch einmal diese Strecke zu laufen, allerdings ohne Balancestab“, überlegte Nock sein nächstes Vorhaben.

Von Florian Mayr

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