Vor 25 Jahren: Bombenanschlag auf die Nato-Schule

Oberammergau - Nur weil der Mechanismus des Zeitzünders versagte, ist am 18. Dezember 1984 ein Terrorakt der Roten Armee Fraktion (RAF) auf die Nato-Schule in Oberammergau missglückt.

18. Dezember 1984. Der Tag, der in Oberammergau eine Katastrophe hätte auslösen können. 25 Kilogramm Sprengladung, die – wenn sie denn detoniert wäre – absolut verheerend gewirkt hätte. Heute vor exakt 25 Jahren wurde auf die Nato-Schule in Oberammergau ein Bombenanschlag verübt, der letztlich nur daran scheiterte, dass der Mechanismus eines Weckers streikte. Warum, das weiß bis heute keiner.

Hauptmann Rainer Lau, seit knapp 20 Jahren an der Nato-Schule als Sicherheitsoffizier tätig, erlebte zwar den Terrorakt nicht selbst mit, weiß aber aus dem Studium der Akten, „dass wir damals haarscharf an einem schrecklichen Ereignis vorbeigeschrammt sind“.

Und so hatte sich der Vorfall 1984 zugetragen: In den Nachmittagsstunden des 18. Dezember war ein junger Mann in amerikanischer Marine-Uniform mit einem silbermetallic-farbenen Audi 80 mit US-Kennzeichen auf das Schulgelände gefahren. Der Fahrer stellte den Wagen etwa zehn Meter vor dem Eingang in die Schule ab, verließ dann zu Fuß die Kaserne und fuhr anschließend, wie sich später herausstellte, mit einem roten Pkw älteren Modells davon. Zurückließ er den Audi – mit hochbrisanter Ladung, nämlich 25 Kilogramm Sprengstoff.

Just zu dem Zeitpunkt, als der unbekannte Soldat aus seinem Auto gestiegen war, rauchte auf dem Balkon eines Nebengebäudes gerade ein deutscher Offizier eine Zigarette. Dass der Fahrer des Audi danach das Gelände verlassen hatte und nicht wie erwartet in ein Gebäude gegangen war, kam dem Beobachter merkwürdig vor. Er veranlasste eine Überprüfung des Kennzeichens. Dabei stellte sich heraus, dass das Nummernschild ein paar Tage zuvor in Augsburg gestohlen worden war. Sofort wurde Großalarm ausgelöst, und die Nato-Schule anschließend im Blitztempo evakuiert.

Ein herbeigerufenes Spezialkommando des Landeskriminalamtes öffnete dann mittels eines Roboters den Kofferraum des Audi. Zum Vorschein kamen unter einem Schlafsack 25 Kilo hochbrisanter Sprengstoff mit einem elektrischen Zünder. Als Zeitschaltuhr zum Auslösen des Mechanismus diente ein Wecker, der aus bislang nicht bekannten Gründen stehengeblieben war. So kam es nicht zur Explosion der Sprengladung, die von den Tätern noch durch drei Propangasflaschen verstärkt worden war. Der damalige Generalbundesanwalt Kurt Rebmann in einer Pressekonferenz am Tag nach dem Terroranschlag: „Eine Detonation hätte eine verheerende Auswirkung gehabt.“

Bei der Nachforschung der Experten nach potenziellen Tätern ergab sich schnell ein Zusammenhang zur Roten Armee Fraktion (RAF); auch stellte sich heraus, dass die Nato-Schule bereits Wochen vor dem Anschlag systematisch ausspioniert worden war. Im Fokus der Ermittler – das „Kommando Jan Raspe“. Raspe, ein Terrorist, galt als führendes Mitglied der ersten Generation der RAF. Er war an fünf Bombenanschlägen mit vier Todesopfern beteiligt, wurde 1972 verhaftet und starb 1977 durch Suizid in der Haft.

Indes: Wer an dem besagten 18. Dezember 1984 den Audi auf das Gelände der Nato-Schule gesteuert hat, ist bis heute unbekannt geblieben.

Ludwig Hutter

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