Jugendschutzgesetz: Wirte im Visier von Abzockern

Murnau - "Das ist Betrug", meint Petra von Rhein, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Abzocker versuchen, Murnauer Gastwirten und Kioskbetreibern überteuerte Aushänge zu verkaufen.

Andrea Weißer (Name geändert), Tochter einer Murnauer Wirtsfamilie, war nicht die Erste, bei der Abzocker ihr Glück mit dieser Masche versuchten. Ein Mann, der sich als "Herr Müller vom Ordnungsamt Murnau" ausgegeben habe, rief Anfang der Woche an und fragte, ob in ihrem Lokal das obligatorische, im September 2007 geänderte aktuelle Jugendschutzgesetz aushänge -­ falls nicht, drohe ein Bußgeld. Er wolle ihr aber ein Exemplar zum Preis von 69,70 Euro zukommen lassen, die sie von der Steuer absetzen könne. "Das Porto, sagte ,Herr Müller', übernehme das Ordnungsamt, so dass im Endeffekt keinerlei Kosten entstünden", erklärt Weißer, die gutgläubig einwilligte und bereits am Mittwoch Post erhielt: ein silberfarbenes Schild, dessen Preis "durch nichts gerechtfertigt" sei. Da sich weder Rechnung noch Absender fanden, wurde Weißer misstrauisch. Als Weißer beim Ordnungsamt im Murnauer Rathaus anrief, erfuhr sie von Diana Kramler, dass der vorgeschriebene Aushang unter anderem im Ordnungsamt "für fünf Euro erhältlich" sei. Und natürlich: "Bei uns gibt es keinen Herrn Müller", betont Kramler. Weißer geht es nun darum, andere Wirtsleute zu warnen.

Und wirklich: Die Masche ist keine neue. Kramler schildert zwei ähnliche Fälle, in denen ein Imbisstand- und ein Kioskbetreiber aus Murnau von einem "Verlag" kontaktiert wurden und die bei ihr nachfragten, ob die Aushänge mit dem Jugendschutzgesetz, die jeder Gastwirt gut sichtbar aushängen müsse, "wirklich so teuer" sei.

Kramler rät: Gastwirte, denen Anrufer teure Tafeln andrehen wollen, können im Zweifel im Rathaus nachfragen. Auch das Landratsamt erteilt nach Angaben von Sprecher Wolfgang Olexiuk Auskünfte. Er warnt ebenfalls: Der Aushang, der auch im Jugendamt erhältlich sei, koste nur geringe Beträge und keine fast 70 Euro. "Finger weg davon", sagt Olexiuk.

Dito, meint Petra von Rhein. Für die Juristin der Verbraucherzentrale besteht kein Zweifel: "Das ist Betrug, ganz klar, wenn ich mich als jemand ausgebe, der ich nicht bin und einen anderen zu einer Vermögensverfügung veranlasse, die er sonst nicht getätigt hätte."

Der Hotel- und Gaststättenverband warnte seine Mitglieder erst jetzt wieder vor "Geschäftemacherei mit dem Gesundheitsschutz". Ein Fall, der dem Murnauer gleicht: Hier habe eine Firma versucht, durch falsche Informationen Nichtraucher-Hinweis-Pakete mit Tafeln und Aufklebern zum Preis von je 180 Euro abzusetzen, heißt es in einer Mail. Wer Abzockern auf den Leim geht, sollte sich nach Ansicht von Wolfgang P. Zunterer, Kreisgeschäftsführer des Verbands, wehren. Sein Tipp: "Widerrrufen, und zwar so schnell wie möglich. Und wenn es zu spät ist: nicht zahlen, zum Anwalt gehen, die Sache anfechten."

Auch interessant

Kommentare