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Uriger Anblick: Bis zu 18 Zentimeter können die Kammmolche lang werden. Mit ihren Zacken auf dem Rücken erinnern sie an kleine Drachen.

Bestand mit Schutzmaßnahmen halten

Kammmolche in Gefahr

Landkreis - Früher kamen sie häufig vor im Landkreis. Heute sind die Kammmolche fast nur noch im Murnauer Moos zu finden. Ihre Art gilt als stark gefährdet, da ihre Lebensräume schwinden. 

Früher wurden die Kammmolche auch „Wasserdrachen“ genannt. „Kein Wunder“, meint Hans-Joachim Fünfstück, Vorsitzender der Regionalgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) für die Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Weilheim/Schongau. „Man muss sich nur mal ihr Äußeres ansehen, dann weiß man, warum.“ Doch nicht nur der Kamm ist markant, bei den Tieren handelt es sich um die größte Molchart in Deutschland. „Sie können bis zu 18 Zentimeter lang werden.“

Ja, früher. Früher gab es noch viele dieser urigen Salamanderverwandten im Landkreis, unter anderem am Riegsee, bei Oberau, bei Bad Kohlgrub, Saulgrub und Eschenlohe. Heute ist der Bestand stark gefährdet und beschränkt sich auf wenige Dutzend Tiere fast ausschließlich im Murnauer Moos, sagt Fünfstück, der vor kurzem mit der Biologin und Zweiten Vorsitzenden des Bayerischen Landesverband für Amphibien und Reptilien, Ilse Englmaier, in Seehausen einen Vortrag gehalten hatte. Kammmolche kämen in verschiedenen Arten nur im europäischen Raum vor. „In diesem weltweit sehr eingeschränkten Verbreitungsgebiet sind die Bestände überall in Gefahr. Sie würden allerorts durch einen Rückgang fischfreier Kleingewässer bedroht“, erklärt Fünfstück. „Durch den Verlust unserer frei fließenden Flüsse, die in Kanälen eingeengt sind und dadurch keine Auen und Altwasser mehr besitzen, ist der ursprüngliche Lebensraum stark zurückgegangen. Intensivierungen der Nutzungen durch Bewirtschaftung bis an den Gewässerrand, Flächenverbau in den flussnahen Bereichen und Rekultivierungen von Kiesgruben bedrohen die wenigen Vorkommen.“

Deshalb hat vor zirka einem Jahr auch die Ablagerung von Aushubmaterial aus den Gräben an der B2 im Moos für höchste Aufregung bei den Naturschützern gesorgt. „Bei ihren Wanderungen im März und April zu Laichgewässern werden die Molche häufig nicht nur überfahren, sie finden oft auch keine Verstecke mehr, weil alles schön aufgeräumt wird in der Natur.“ Bei der Halde im Moos sei die Befürchtung groß gewesen, dass sich die Kammmolche darin verstecken könnten, und dann entweder durch möglicherweise kontaminiertes Material vergiftet oder beim späteren Abtransport hätten verletzt oder getötet werden können.

Wie fast alle Amphibienarten wandert der Kammmolch zwischen zwei Lebensräumen. Schon im März geht er in kleine Gewässer und legt einzelne Eier an Wasserpflanzen ab. Nach der Entwicklung der Larven zu Jungtieren verlassen die Molche im Oktober oder November die Gewässer und suchen ein Winterquartier auf. Meist sind dies nahe gelegene Wäldchen oder Hecken. Diese werden auch weniger, so dass es beim Vortrag in Seehausen nicht verwunderlich war, dass Biologin Englmaier nicht mehr alle der elf im Landkreis bekannten ehemaligen Fundorte des Kammmolches bestätigen konnte. Jetzt sollen diverse Biotop-Pflege- und Schutzmaßnahmen in Gang gesetzt werden.

„Insbesondere während den Wanderungen, etwa vom Winterquartier zum Laichgewässer, erfahren Amphibien häufig auch Verluste durch den Straßenverkehr“, sagt Fünfstück. „Das gilt neben dem Kammmolch, der europaweit nach FFH-Richtlinien geschützt ist, auch für Erdkröten und Grasfrösche, die allerdings noch in sehr großer Zahl im Landkreis vorkommen.“

Deshalb stellt die LBV-Regionalgruppe ab März an verschiedenen Gefahrenstellen Amphibienzäune auf. Unter anderem soll am Westrand des Murnauer Mooses bei Grafenaschau ein rund 600 Meter langer Zaun errichtet werden. Über Mithilfe beim Aufbau würde sich die Naturschützer freuen. Informationen gibt es unter Telefon 0 88 21/ 7 34 64.

Michaela Sperer

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