Der Kanker-Bypass: Garmisch-Partenkirchen ist gewappnet für die Jahrhundert-Flut

Garmisch-Partenkirchen - Knapp drei Jahre nach der Flut-Katastrophe ist der Hochwasserschutz an der Kanker so gut wie abgeschlossen.

Der "Bypass" -­ ein Überleitungstunnel zwischen der Kanker und dem Hochwasser-Rückhaltebecken in der Au einerseits sowie der Partnach andererseits -­ ist beinahe fertig.

Das Kainzenbad haben wir vorgezogen, Ende August ist auch die Strecke vor den Klinikum-Parkplätzen völlig abgeschlossen", teilt Christian Wanger, Chef des Wasserwirtschaftsamts Weilheim (WWA) mit ein wenig Stolz in der Stimme mit. Denn die beauftragte Firma "Gebrüder Schmölzl" aus Bayrisch Gmain, die ja auch den Zuschlag für den Kandahar-Ausbau erhielt, hat für den Bau des 1,3 Kilometer langen Tunnels immerhin sechs Wochen weniger benötigt als vertraglich festgelegt.

Lediglich vor dem großen Wohngebäude an der Auenstraße ist noch ein kurzes Stück zu überdecken. "Doch schon jetzt könnte die Überleitung zwischen Kanker und Partnach benutzt werden, falls es bei einem größeren Unwetter nötig wäre", erläutert Peter Kratz, seines Zeichens Projektleiter für den Hochwasserschutz an Kanker und Partnach.

Der "Bypass" ist nicht irgendein Rohr, sondern ein ziemlich gewaltiger Tunnel mit zwei Meter Höhe und bis zu 4,5 Meter Breite. Ein Auto könnte problemlos durchfahren. Doch gedacht ist dieses "Gerinne", wie es vom WWA bescheiden genannt wird, um bis zu 30 Kubikmeter Kankerwasser pro Sekunde hinüber in die Partnach zu leiten, falls wieder einmal Wassermassen wie an Pfingsten 1999 oder August 2005 Richtung Garmisch-Partenkirchen donnern. Statistisch gesehen sei nun, so Wanger, ein "80-jährlicher Schutz" gewährleistet.

Das System funktioniert folgendermaßen: Die Kanker fasst bis zu 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, der neue Tunnel weitere 30 Kubikmeter. Genügt auch das bei einer besonders starken oder langen Niederschlags-Situation nicht, steht schließlich auch noch das Rückhaltebecken in der Au nördlich des Klinikums zur Verfügung. Dieses kann 220 000 Kubikmeter Wasser fassen, was ungefähr 30-mal soviel ist wie der Inhalt des Kainzenbads. Das zumindest hat Peter Kratz errechnet.

Die Kosten sind üppig: 25 Millionen Euro darf der Steuerzahler dafür berappen ­ 70 Prozent der bayerische und zusätzlich 30 Prozent der Garmisch-Partenkirchner. Das Rückhaltebecken schlägt mit 5,5 Millionen Euro, der Bypass ebenso mit 5,5 Millionen und der Ausbau der Partnach, um deren Abflussleistung von 100 auf 131 Kubikmeter zu erhöhen, mit acht Millionen Euro zu Buche. Ausgeführt durch die Flussmeisterstelle Oberau, ist er derzeit an der Eisenbahnbrücke nahe des Skistadions, wo der Bypass einmündet, in vollem Gang. "In den nächsten beiden Jahren", so Wanger, "kommt jedoch noch einiges hinzu, nämlich der ,Feinschliff' der Kanker."

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